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 14.11.08

Psychiatrischer Samstag in Linz: Strotzka-Preis für Muschik und Platz

 
 
Elisabeth Muschik und Primar Dr. Thomas Platz wurden im Rahmen des 43. Psychiatrischen Samstag am 8. November an der Johannes-Kepler-Universität Linz mit dem Hans-Strotzka-Preis ausgezeichnet. Die mit Motiven vom Gugginger Künstler Oswald Tschirtner gestaltete Glassäule wird nur alle zwei Jahre für besondere Verdienste zur Förderung der Sozialpsychiatrie in Österreich verliehen.
Liesl Muschik ist seit einem Vierteljahrhundert für die Sozialpsychiatrie tätig und hat als Pionierin geholfen, pro mente Wien und neue psychosoziale Angebote aufzubauen“, würdigte Johannes Wancata, Professor an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien, das langjährige Wirken der Preisträgerin. Die österreichweite Vernetzung psychosozialer Angebote war der langjährigen Geschäftsführerin von pro mente Wien immer ein Anliegen. Die Strotzka-Preisträgerin ist heute in vielen internationalen Gremien tätig. 
Mit dem Hans Strotzka-Preis 2008 ausgezeichnet:
Elisabeth Muschik und Thoma Platz (2.v.l). Den Preis
überreichten Werner Schöny und Johannes Wancata (links).


Psychische Gesundheit heute Thema der EU
„Ich stünde nicht hier, wenn ich nicht so viel Hilfe erhalten hätte“, bedankte sich Muschik. Die psychische Gesundheit sei heute ein Thema der EU. „Aber nur deshalb, weil immer mehr Arbeitskräfte wegen psychischer Störungen ausfallen und die Wirtschaft darüber aufschreit“, berichtet Muschik und merkte kritisch an: „Die Wirtschaft wartet jetzt nur darauf, dass unsere Gesundheitssysteme das wieder reparieren.“ Die pro mente-Pionierin betonte, dass wir als Europäer „gemeinsam unsere Regierungen zwingen sollen, EU-Projekte (zur Prävention psychischer Leiden, Anm.) national umzusetzen“.

Dr. Platz: Streiter an vorderster Linie
„Dr. Thomas Platz hat als Streiter an vorderster Linie viel bewegt, war Neuem immer aufgeschlossen und hat als Obmann viele Pilotprojekte für pro mente Kärnten initiiert“, sagte Primar Werner Schöny, Obmann von pro mente austria sowie pro mente OÖ. und betonte besonders die Aufbauarbeit der psychiatrisch-medizinischen Reha in Klagenfurt, die heute zu einem erfolgreichen Modell geworden sei. Dem Facharzt für Psychiatrie und Psychoanalytiker sei die Kooperation mit anderen Berufsgruppen wichtig; so wie der „Kampf gegen eine wachsende Bürokratie“, sagte Schöny.

Strotzka noch persönlich kennengelernt
„Für meine Mitarbeiter nehme ich den Preis entgegen, ohne die ich in den 22 Jahren in Kärnten kein Netzwerk an psychosozialer Unterstützung aufbauen hätte können“, sagte Platz in seiner Dankesrede. Der Weg in Kärnten sei nicht einfach gewesen. So habe der jüngst verstorbene Landeshauptmann gesagt, Kärnten brauche eigentlich keine Psychiater, „denn am Kärntner Wesen soll Österreich genesen“. Platz berichtete, als Student an der Wiener Uni Hans Strotzka persönlich erlebt zu haben: „Mich hat besonders beeindruckt, wie würdevoll er die Begegnungen mit Patienten gestaltet hat“.
 
Hans Strotzka wurde 1917 in Wien geboren, war Mediziner, Tiefenpsychologe, Psychotherapeut, Hochschulprofessor und Gründungsvorstand der Universitätsklinik für Tiefenpsychologie und Psychotherapie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Strotzka gründete weiters den Dachverband Psychotherapeutischer Vereinigungen Österreichs und den Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik (ÖAGG). 2002, acht Jahre nach seinem Tod, benennt pro mente austria einen neu ins Leben gerufenen Preis nach Hans Strotzka. Dieser wird alle zwei Jahre für besondere Verdienste um die Sozialpsychiatrie verliehen. Die „Sozialpsychiatrie“ bewertet soziale Bezüge, familiäre und gesellschaftliche Bedingungen von PatientInnen gleichberechtigt mit medizinischen Faktoren.
 
Mag. Ingrid Rath, langjährige Vorsitzende von HPE Österreich, Dr. Peter Stöger, Oberarzt und ärztliche Direktor des Krankenhauses Gugging und Mag. Christian Rachbauer, Geschäftsführer von pro mente Oberösterreich, wurden 2005 mit dem Hans-Strotzka-Preis ausgezeichnet.
 
Überreicht wurde der Hans-Strotzka-Preis 2008 im Rahmen des 43. Linzer Psychiatrischen Samstag an der Universität Linz, an der auch heuer wieder 400 ÄrztInnen, Fachleuten und Interessierten teilnahmen und die fünf ExpertInnen-Vorträge zum Thema „Sozialphobie“ hörten.
(go/foto: kuhn)