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 26.02.10

Belastung am Arbeitsplatz steigt: Arbeitsassistenz verzeichnet um ein Viertel mehr Betroffene

Auf ein „Rekordjahr“ blickt die Arbeitsassistenz pro mente OÖ. zurück. Mehr als 400 Personen mit psychosozialen Problemen konnten im Vorjahr laufend betreut, weitere 330 begleitend beraten werden. Die hohe Zahl der Hilfesuchenden beruht nicht zuletzt auf den Auswirkungen der Wirtschaftskrise und der Zunahme psychischer Probleme am Arbeitsplatz.
 
Insgesamt verzeichneten die ArbeitsassistentInnen von pro mente OÖ. im Jahr 2009 mehr als 800 KlientInnenkontakte, das entspricht einer Zunahme um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Hintergrund liegt in Personalabbau, Kündigungswellen, Produktionseinbrüchen und Firmenschließungen. „Die Angst um den Arbeitsplatz ist weit verbreitet. Viele MitarbeiterInnen stehen unter erhöhtem Leistungsdruck. In diesem Zusammenhang beobachten wir eine Zunahme von psychischen Erkrankungen,“ weiß Karin Löberbauer, Leiterin der Arbeitsassistenz von pro mente OÖ.
 
Die Arbeitsassistenz hilft psychisch und sozial beeinträchtigte Arbeitsuchenden beim Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess, aber auch ArbeitnehmerInnen, deren Arbeitsplatz aufgrund psychischer Probleme gefährdet ist. Auch Betriebe und Personalverantwortliche sind Ansprechpartner für die Arbeitsassistenz. Beratungsstellen der Arbeitsassistenz gibt es derzeit in Linz, Wels, Steyr, Braunau, Gmunden, Schärding und Vöcklabruck. KlientInnen aus ganz Oberösterreich kontaktieren die professionellen Beraterinnen und Berater, überwiegend über Empfehlung von Krankenhaus oder Arzt, aber auch über Zuweisung des Arbeitsmarktservice. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Bundessozialamtes OÖ., des Arbeitsmarktservice OÖ. und aus dem Europäischen Sozialfond (ESF)
 
„Wir schließen Beratungsvereinbarungen für maximal ein Jahr ab,“ berichtet Karin Löberbauer über den Beratungs- und Betreuungsverlauf. Die Erfolgsquote in der Vermittlung eines neuen oder Erhalt eines gefährdeten Arbeitsplatzes ist groß: 53 % Prozent der Betreuten freuten sich im Vorjahr über eine Fortführung von Dienstverhältnissen oder Neuantritt eines Arbeitsplatzes, mehr als 17% konnten an einer Trainingsmaßnahme oder Stiftung teilnehmen. Durch den Einbruch des Arbeitsmarktes gestaltet sich die Unterstützung bei der Arbeitsuche jedoch zunehmend schwieriger für die ArbeitsassistentInnen.
 
„Vor allem sensible Menschen sind von den Folgen der Wirtschaftskrise betroffen und gefährdet, psychisch schwer zu erkranken. Sie sind auch jene, die als erstes von Kündigungen bedroht und betroffen sind, weil sie dem Druck in den Unternehmen nicht mehr standhalten können,“ berichtet Karin Löberbauer über steigende Anfragen bei der Arbeitsassistenz. Auch die Anzahl derer, die Angst vor drohendem Arbeitsplatzverlust hätten, zeige sich im deutlichen Anstieg von telefonischen und persönlichen Anfragen. Viele Betroffene würden oft viel zu früh nach einem Krankenstand in ihre Arbeit zurückkehren. Folge sei, dass weitere, jedoch längere Krankenstände folgen würden bis hin zum wirklichen Arbeitsplatzverlust, so die Arbeitsassistenz-Leiterin.
 
Durch den starken Zulauf ist die Arbeitsassistenz mit ihren personellen Kapazitäten an einer Grenze angelangt. Auch eine Entspannung der Lage sei nicht in Sicht, erklärt Löberbauer und meint: „Daher ist mehr Personal vor allem in den Regionen, die nur mit einer Arbeitsassistenzberatung besetzt sind, dringendst notwendig!“
 
„Gerade in schwierigen Zeiten dürfen Angebote, die der beruflichen Integration dienen, keinesfalls eingeschränkt werden!“ betonte auch pro mente OÖ.-Vorstandsvorsitzender Werner Schöny anlässlich des Besuchs von Sozialminister Hundstorfer bei pro mente OÖ. im Oktober des Vorjahres. Vielmehr sei es so, dass ein Ausbau derselben notwendig sei. (fa)