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Verlust der Realität durch Psychose

Von Primar Univ.-Prof. Dr. Hans Rittmannsberger,
Landesnervenklinik Wagner-Jauregg Linz

 

Wahnideen, Halluzinationen und Denkstörungen sind die drei wichtigsten
Symptome einer Psychose.
Wahnideen sind Vorstellungen, die für absolut richtig
gehalten und verteidigt werden, obwohl andere die Realität so nicht sehen und es
wesentlich plausiblere Erklärungen gibt. Wahnideen sind leicht zu erkennen, wenn es
sich um völlig unrealistische Dinge handelt. Etwa um die Behauptung, ein Atomkraftwerk
im Bauch zu habe. Andere Wahnideen sind schwerer zu erkennen, etwa die Überzeugung,
die Ehefrau sei untreu.

Wann ist es berechtigt, von einem Wahn zu sprechen? Hier kommt es auf die
Begründungen an: Wenn etwa die Ehefrau mit rotem Gesicht aus der Küche kommt
und das als untrüglicher Beweis ihrer Untreue gilt, weil dies ja nur bedeuten kann, dass
ihr Liebhaber bei ihr gewesen ist, gleichzeitig aber alle viel näher liegende Erklärungen
ausgeschlossen werden, dann ist das ein Hinweis für einen Wahn. Die absolute,
unkorrigierbare Gewissheit, die keinen Zweifel zulässt, und das in einer Situation, die
von den meisten Menschen anders beurteilt werden würde, ist ein Kriterium für Wahn.

Stimmen hören, wirres Sprechen, unlogisches Denken. Halluzinationen sind
Sinneswahrnehmungen ohne einen entsprechenden Reiz aus der Umwelt. Diese können
in allen Sinnesgebieten auftreten. Sehr häufig ist etwa das Hören von Stimmen, ohne
dass ein Sprecher anwesend ist. Wird das Denken unzusammenhängend und unlogisch
sowie die Sprache "zerfahren", weil verschiedene Gedanken bis zur Unverständlichkeit
vermischt werden, dann liegt eine „Denkstörung“ vor.

Psychosen sind bei anderen leichter erkennbar als an der eigenen Person.
Das, was in der Psychose erlebt wird, mag es noch so "verrückt" sein, ist für den
Betroffenen Realität. Denn wir Menschen sind es gewohnt, uns auf unsere Beurteilung
der Welt verlassen zu können. Wir rechnen nicht damit, dass uns Sinne und Denken
in die Irre führen können. Akut psychotische Menschen kommen daher oft mit der
Realität und gelegentlich auch mit anderen Menschen in Konflikt, da Situationen falsch
eingeschätzt werden. Menschen in einer Psychose sind sich häufig der psychischen
Störung nicht bewusst. Aus Sicht des Betroffenen verhält sich dann eher die Umwelt
„verrückt“. Betroffene können sich bewusst sein, dass sie ungewöhnliche Dinge erleben,
versuchen dies aber vor der Umgebung geheim zu halten, aus Angst, für verrückt zu
gelten.

Psychosen sind gut zu behandeln. Mit einer passenden Therapie lassen sich
die psychotischen Symptome völlig beseitigen.

Es ist keine Schande, psychotisch zu sein, denn psychisch erkranken kann
jeder.
Aber es ist tragisch, wenn man aus Angst oder Scham die möglichen Hilfen nicht
nutzt. Für einen kleinen Teil der Betroffenen bleibt eine psychotische Störung eine
einmalige Episode im Leben. Für die meisten ist es aber wichtig, eine Psychose
kontinuierlich zu behandeln, da sonst psychotische Symptome mit hoher Wahrscheinlichkeit
wieder auftreten.


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rat und hilfe bei psychosen

Nehmen Sie ungewöhnliche, irreale Erlebnisse ernst
und denken Sie an die Möglichkeit einer psychotischen Störung.
Psychosen kündigen sich oft durch uncharakteristische Symptome an wie Reizbarkeit,
depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Angstzustände, Konzentrationsschwierigkeiten
und Nachlassen der Leistungsfähigkeit.
Betroffene können so aus Erfahrung vergangener psychotischer Störungen
frühzeitig eine sich anbahnende Psychose erkennen.
Suchen Sie Rat und Hilfe bei FachärztInnen für Psychiatrie
oder anderen im psychosozialen Bereich tätigen ExpertInnen.
Die medikamentöse Behandlung ist meist eine unverzichtbare Basis für alle weiteren
Therapien. Der häufigste Grund für Rückfälle ist die vorzeitige Beendigung der Behandlung.