02.10.18: im fokus pro mente oö

die angebote der Peer-beratung in Kirchdorf/Krems

Teamleiter Josef Wagneder: "Seit 14 Jahren gibt es das Angebot der Peer-Beratung bei uns im Bezirk Kirchdorf an der Krems. Aktuell ist Nilgünay Saricam bei uns tätig. Neben den Peer-Beratungen engagiert sie sich sehr im Freizeitbereich, mittlerweile auch in der Fähigkeitsorientierten Aktivität und im Wohnhaus. Für IM FOKUS schildert sie, was Peer-Beratung ist und erzählt über ihre Ausbildung und ihr jeweiliges Einsatzgebiet."

Nilgünay Saricam, Peerberaterin in Kirchdorf/Krems
Nilgünay Saricam, Peerberaterin in Kirchdorf/Krems

Im Gespräch mit Nilgünay Saricam

Peer-BeraterInnen begleiten Menschen mit Beeinträchtigung zu mehr Selbstbestimmung und helfen ihnen ihre individuellen Ziele zu erreichen. Außerdem informieren sie über Rechte (z. B. Pflegegeld, Behindertengleichstellung), sowie über Leistungen nach dem OÖ Chancengleichheitsgesetz. Der Beruf der Peer-Beratung ist in OÖ ein anerkannter Sozialberuf, der im OÖ Sozialberufegesetz verankert ist.  

 

Man kann nicht gleich weite Wege zurücklegen, ohne davor trainiert zu haben.
Als ich mit der Ausbildung zur Peer-Beraterin begonnen habe, war ich 36 Jahre alt, das war vor 6 Jahren. Anfangs hatte ich Ängste, vor allem im Bereich Suizidalität und Krisen. In meiner Ausbildung haben wir sehr viel trainiert. Wir haben unsere Arbeit immer wieder reflektiert und optimiert. Ich habe viel über eigene Krisen nachgedacht und darüber gesprochen.
Ich bin hauptsächlich im Freizeitbereich tätig und organisiere gemeinsam mit den KollegInnen und KlientInnen die verschiedenen Aktivitäten. In den Besprechungen nehmen wir uns auch Zeit für die Anliegen der KlientInnen. Der Treffpunkt ist das Herzstück im Freizeitbereich Kirchdorf, wo Kaffee und Kuchen genossen wird. Ich bin auch bei den Ausflügen dabei, die unseren KlientInnen sehr zusagen.

 

 

 

 

"Es ist schön zu erfahren, wie die KlientInnen
uns BeraterInnen ihr Vertrauen schenken. Ich bin sehr dankbar dafür, dass
ich durch diese Ausbildung so viel gelernt habe und in den letzten Jahren verschiedene, und überwiegend gute, Erfahrungen gewinnen durfte."

 

 

 

Besonders wichtig ist es mir, KlientInnen im Krankenhaus zu besuchen: Gemeinsam mit anderen KlientInnen, die gerne mitfahren und den PatientInnen viel Kraft geben. Auch die Theaterabende, die auswärts stattfinden, sind in meiner Begleitung immer wieder gerne gesehen.

 

Mittwochs habe ich am Nachmittag Beratungsstunden nur für die Peer-Beratung eingeplant.  Mir ist es wichtig, im Eins-zu-eins-Gespräch mehr Struktur in das Alltagsgeschehen der KlientInnen zu bringen. Ich beherrsche die türkische Sprache sehr gut, daher kommen auch viele KlientInnen mit Migrationshintergrund in die Peer-Beratung.

 

Vor kurzer Zeit habe ich zusätzlich im vollbetreuten Wohnen als Peer-BeraterIn angefangen. Also bin ich nun auch freitags im Wohnhaus in Schlierbach anzutreffen. Wir backen miteinander Kuchen, spielen Spiele oder gehen spazieren. Die BewohnerInnen schätzen das gemeinsame Gespräch mit mir sehr und sind froh, dass ich mir wirklich Zeit für sie nehme.

 

In meiner persönlichen Krankheit habe ich verschiedene Erfahrungen gemacht, die ich nun mit den KlientInnen teilen kann. Heute bin ich gesund und schätze es sehr, dass mich meine Krankheit zu dieser Ausbildung geführt hat. Glück im Unglück!"                              


Was Peer-BeraterInnen machen:

Sie bieten anderen Menschen mit Beeinträchtigung einen vertrauensvollen Erfahrungsaustausch und stärken deren Selbstbewusstsein. Sie beraten bei persönlichen Problemen und helfen dabei, das eigene Leben zu verbessern. Sie begleiten bei Behördengängen und vermitteln an andere hilfreiche Stellen weiter. Peerberatung gibt es kostenlos, für viele Bereiche des Lebens.