03.10.2017: im fokus traunviertel-Salzkammergut

Jeden Monat neu. Interessantes und Informatives aus den Regionen Oberösterreichs.

 

In der Region Traunviertel-Salzkammergut leben ca. 230.000 Menschen. Sie ist durch Berge und Seen flächenmäßig auseinandergezogen. Weite Wege sind oft notwendig, um zu den Menschen zu kommen, die psychosoziale Hilfe brauchen. Rund 1.600 Menschen haben im vergangenen Jahr in der Region unsere Unterstützung gesucht. Neben den Standorten in 10 Gemeinden versuchen wir in der ganzen Region mit mobilen und aufsuchenden Angeboten für Menschen da zu sein.

 

aktuelles aus der region

Regionalleiter Mag. Hans Neusser-Harringer

Die MitarbeiterInnen der Region Traunviertel-Salzkammergut haben immer schon die wissenschaftlichen  Erkenntnisse, dass eine sinnstiftende Beschäftigung zur Gesunderhaltung der Psyche jedes  Einzelnen sehr wichtig ist, motiviert Möglichkeiten zum Tätigseinkönnen bereitzustellen. Dies ist in den vergangen 20 Jahren in differenzierten Formen sehr gut gelungen. Ca. 90 Plätze für Menschen mit psychosozialem Unterstützungsbedarf bietet unsere Region an. Da ein Platz im Schnitt 3 Personen eine stundenweise Mitarbeit ermöglicht, ist das schon eine  beachtliche  Zahl von ca. 250 Menschen, die bei uns Tagesstruktur, Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten (Taschengelder) erhalten. Die UN-Menschenrechtskonvention, die den Inklusionsgedanken favorisiert, fordert seit einigen Jahren für Menschen mit Beeinträchtigung mehr Beschäftigung in oder mit Betrieben vor Ort. Dies zu erarbeiten und sicherzustellen ist eine große Herausforderung unserer Zeit. Die zweite Herausforderung ist, die Strukturen für die MitarbeiterInnen zu schaffen, mit immer wieder der Veränderung unterzogenen Rahmenbedingungen, die Erbringung der vereinbarten Leistungsmengen der Kostenträger zu ermöglichen.

 


Bericht 1 - 03.10.2017

Peerarbeit in der region Traunviertel-salzkammergut

Seit über 10 Jahren arbeiten Peer-Beraterinnen in der Region. Wir nennen sie bei uns Peermitarbeiterinnen. 6 Frauen waren es im Laufe dieser Jahre, die nach ihrer Ausbildung anfingen. 3 davon sind aktuell aktiv tätig.

Die Peermitarbeiterinnen arbeiteten engagiert und innovativ im Clubhaus, in der Fähigkeitsorientierten Aktivität und im Wohnbereich mit. Sie sind bei Antistigmaprojekten in Schulen oder bei öffentlichen Anlässen vertreten. Außerdem helfen sie beim Aufbau von Interessenvertretungen wie die UserInnenplattform in Vöcklabruck oder beim Aufbau und Betrieb des Usercafès in Vöcklabruck. Die Peermitarbeiterinnen begleiten auch Selbsthilfegruppen und unterstützen Einzelpersonen.

Gerne waren sie bereit für IM FOKUS einen Beitrag zu schreiben. "Das ist eh noch viel zu wenig bekannt", war die erste Reaktion auf meine diesbezügliche Anfrage. 2 Peermitarbeiterinnen schildern, was Peer-Beratung ist und wo ihr jeweiliges Einsatzgebiet liegt.

Valentin Schweitzer MAS, Regionalleiter

Branka Rittgaser, Peermitarbeiterin in Vöcklabruck
Branka Rittgaser, Peermitarbeiterin in Vöcklabruck

"Als Peer möchte ich mit meinen Erfahrungen und Kompetenzen, die ich durch die eigene Betroffenheit gewonnen habe, anderen Menschen mit Beeinträchtigung hilfreich zur Verfügung stehen."

 

Ich arbeite als Peer-Beraterin im Clubhaus und in einer betreuten Wohngemeinschaft in Vöcklabruck. Da mein Beruf nicht besonders bekannt ist, möchte ich kurz erklären, was eine Peerberaterin ist. Peers sind Menschen, die selbst erfahren haben, wie es ist, psychisch krank zu sein. Auch ich habe einige Jahre Depressionen gehabt. Die Ursachen waren soziale Probleme, Schicksalsschläge und auch eine organische Erkrankung.

 

Meine Arbeit als Peermitarbeiterin besteht darin, Menschen mit psychischen Erkrankungen zu begleiten und zu beraten. Im Clubhaus kochen und essen wir gemeinsam, gehen Einkaufen, machen Ausflüge, spielen Gesellschaftsspiele, hören Musik und reden miteinander. In der Wohngemeinschaft helfe ich den Männern beim Kochen und bei der Wohnungsreinigung.

 

Ich biete auch Beratungen in Kroatisch, Serbisch und Bosnisch an. Alles wird natürlich vertraulich behandelt. Ich möchte mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass  Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ein Leben mit mehr Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Chancengleichheit und Würde führen können. Denn beim Austausch von Erfahrungen fühlen sie sich bestätigt und gewinnen mehr Selbstsicherheit und Motivation.

 

Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens in eine Lebenskrise geraten kann. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollten nicht auf ihre Diagnose reduziert werden. Sie haben viele Fähigkeiten, Talente und Wünsche. Die schönste Anerkennung für meine Arbeit bisher habe ich vor kurzem erlebt. Nach meinem zweiwöchigen Urlaub hat mir eine Klientin gesagt: "Wir haben dich vermisst."

 


Peermitarbeiterin Gabriele Humer (links) mit Klientin Brigitta im fairKaufladen von promente Gmunden
Peermitarbeiterin Gabriele Humer (links) mit Klientin Brigitta im fairKaufladen von promente Gmunden

"Was mich persönlich immer wieder fasziniert und was ich besonders achte, ist die enorme Unterschiedlichkeit der Menschen und deren Bedürfnisse."

 

Analog zu den eigenen Stärken, arbeiten die in der Peerberatung tätigen Menschen individuell, organisiert, aber auch spontan angepasst an die jeweilige Situation.

 

Da ich nicht nur die Ausbildung zur Peerberaterin genossen habe, sondern mit meinen ganzen Gefühlen, meinem ganzen Sein "durch schmerzvolle Erfahrung(en)" gegangen bin, ist mein Zugang - im Sinne von empathischem Zuhören/empathischem Verstehen - sehr hoch. Genau das ist immer der Punkt wo Menschen spüren können, sie können in Augenhöhe, auf gleicher Ebene sprechen. Oft höre ich dann als Rückmeldung: "Ich fühle mich voll verstanden".

 

Ich selbst versuche, in Richtung Hilfe zur Selbsthilfe und Bewusstseinserweiterung zu arbeiten. Wenn es möglich ist und es die Situation erlaubt, lenke ich die Aufmerksamkeit auf sich selbst reflektieren, auf Zusammenhänge erkennen, auf Achtsamkeit und Bewusstheit, auf eine positive innere Haltung. Das findet dann nicht nur auf der Ebene der Gedanken statt, sondern wirkt meiner Erfahrung nach auch auf die Ebene der Gefühlswelt. Dies aber immer in Einbeziehung der jeweiligen Resilienz, von Stärken und Ressourcen bzw. auf die Bereitschaft hin, etwas zu verändern oder etwas zu lernen.

 

Meine Arbeit ist die Summe aus Ausbildung, persönlicher (Krankheits-)Erfahrung und auch meiner Erfahrung im Führen und Anleiten verschiedener Selbsthilfegruppen. Aber nicht nur Gespräche oder Gesprächsrunden gehören zu meinem Tätigkeitsbereich, sondern auch spontane Begleitungen zu Behörden etc. Weiters initiiere ich bei pro mente OÖ in Gmunden regelmäßig einen Malworkshop (Acryl auf Leinen), nach dem Motto: Malen für die Seele. Die MalerInnen werden dabei einerseits geführt von der eigenen Intuition bzw. Ich-Kreativität und andererseits wird der jeweils innewohnende Stil der Einzelnen, in den Bildern immer wieder gespiegelt. Im Rahmen der „Entwicklungsorientierung“ in der FA Gmunden, biete ich auch geführte Entspannung bzw. Meditationen an.

 

Wir haben an unserem Standort in Gmunden auch einen kleinen Shop, den "fairKaufladen", (vorwiegend mit Produkten, die bei pro mente OÖ erzeugt werden), in dem ich ebenfalls mitarbeite.