05.06.18: im fokus pro mente oö

Dank ARbeitstraining zurück ins Berufsleben

vlnr: Johanna Reiter (Sozialarbeit Wesenufer), Simon L. (Name geändert)
vlnr: Johanna Reiter (Sozialarbeit Wesenufer), Simon L. (Name geändert)

Das Seminarhotel Wesenufer - Hotel & Seminarkultur an der Donau bietet ca. 50 Arbeits- & Ausbildungsplätze für Menschen mit psychosozialen Problemen.

 

Im Bereich Arbeitstraining werden Menschen in und nach psychosozialen Krisen bei einem Wiedereinstieg in das Berufsleben begleitet. Auch Simon L. (32) hat ein Arbeitstraining in Wesenufer absolviert. Im Gespräch mit Johanna Reiter, Mitarbeiterin der Sozialarbeit in Wesenufer, hat er seine Geschichte erzählt:

"Ich war 14 Jahre lang – bis März 2015 – im Baugewerbe beschäftigt. Der ständige Stress auf den Baustellen und auch die Arbeit als Maurer belasteten mich im Laufe der Jahre psychisch immer mehr. Der Antrieb mich aufzuraffen und überhaupt in die Arbeit zu gehen, wurde nach und nach weniger. Ich fing an, zum Alkohol zu greifen. Der vermehrte Alkoholkonsum führte schließlich zu größeren gesundheitlichen Problemen. Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Ich entschloss mich, den Kampf gegen meine Alkoholsucht aufzunehmen und machte eine Entwöhnung. Die erste Zeit war schlimm, aber Aufgeben kam für mich nicht in Frage.

 

Nach der Entwöhnung war klar, dass sich für mich auch beruflich etwas verändern musste. Meine Beraterin beim AMS legte mir eine berufliche Rehabilitation nahe. Ich entschied mich für das ATZ (Arbeitstrainingszentrum) Wesenufer und startete im August 2016 im Bereich Haustechnik.

 

Die ersten Wochen Arbeitstraining waren körperlich und psychisch sehr anstrengend. Am Ende des Tages war ich erschöpft, mit der Zeit stabilisierte ich mich aber. Mein Ziel –  wieder ins Arbeitsleben zurückzukehren und einen Beruf für mich zu finden – behielt ich im Auge.

 

Durch das Arbeitstraining in Wesenufer fand ich wieder Anschluss. Ich begann neue soziale Kontakte aufzubauen und mein Selbstwertgefühl veränderte sich zum Positiven. Ich fühlte mich nach Langem wieder als Teil der Gesellschaft.

Dank verschiedener Praktika konnte ich mir über meinen Berufswunsch klarer werden. Da mir die Grünanlagenpflege großen Spaß machte, entstand schließlich die Idee für den Beruf des Landschaftsgärtners. Mit Unterstützung der SozialarbeiterInnen vereinbarte ich mehrere Praktika in Gartenbaubetrieben.

 

Vom AMS kam schließlich die Zusage, dass ich über eine Stiftung eine neue Ausbildung machen kann. Ich war überglücklich, als sich ein Gartenbaubetrieb als Ausbildner für meine Ausbildung zum Landschaftsgärtner zur Verfügung zu stellte. 

 

Die abwechslungsreiche Arbeit als Landschaftsgärtner macht mir viel Freude. An das Drücken der Schulbank muss ich mich mit meinen 32 Jahren erst wieder gewöhnen. Meine Entscheidung habe ich noch nicht einmal bereut.

 

Dass ich den Einstieg in das Arbeitsleben durch das Arbeitstraining wieder geschafft  habe, ist für mich der größte Erfolg. Es geht mir jetzt körperlich und psychisch wieder gut. Ich habe den Glauben an mich und meine Fähigkeiten wieder gefunden und gelernt, stolz auf das zu sein, was ich im Leben schon erreicht habe.

 

Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums wünsche ich dem gesamten Team in Wesenufer alles Gute! Und allen, die dort ein Arbeitstraining machen, dass auch sie so gut begleitet werden und ihren Weg finden ... so wie ich."