07.06.18: Heiter bis bewölkt. Wetterberichte aus den regionen - Ein Modellprojekt aus dem kunstraum goethestrasse xtd

Das Wetter eröffnet Möglichkeiten das Rundherum wahrzunehmen. "Heiter bis bewölkt. Wetterberichte aus den Regionen" erzählen mittels Fotografien, Zeichnungen und Wettertagebüchern das Einlassen auf Sonne, Regen, Schnee, Nebel und Wind sowie von der Auseinandersetzung mit Arbeiten zeitgenössischer Kunst und künstlerischer Methoden.

 

Über den Zeitraum von mehr als einem halben Jahr fand parallel eine mehrteilige Zusammenarbeit von kunst- und kulturinteressierten Menschen, die die Angebote von pro mente OÖ in den sechs Regionen Oberösterreichs nutzen, und dem KunstRaum Goethestrasse xtd statt.

 

Die Präsentation der Ergebnisse findet im Schauraum des KunstRaum Goethestrasse xtd mit Anwesenheit der AkteurInnen aus den Regionen Innviertel, Mühlviertel, Pyhrn-Eisenwurzen, Traunviertel-Salzkammergut, Zentralraum Wels und Zentralraum Linz am 28. Juni 2018 bei zeitweise Regen und einer Tagestemperatur von 28°C statt.

 

Eröffnung:  28. Juni 2018, 18.00 Uhr

Begrüßung: Prim. Dr. Kurosch Yazdi, Stv.-Vorstandsvorsitzender von pro mente OÖ

Dauer der Ausstellung: 29. Juni – 31. Juli 2018

 

Kontakt:

KunstRaum Goethestrasse xtd, Tel. 0732 / 651346, www.kunstraum.at

Projektbeschreibung: https://www.kunstraum.at/index.php/wetterberichte


05.06.: Wetterbericht 1_Sonne

http://www.ionoi.it/index.php?pages=article&cod=here-comes-the-sun
http://www.ionoi.it/index.php?pages=article&cod=here-comes-the-sun

Was ist, wenn die Sonne scheint, aber man dadurch kaum mehr etwas sieht?

 

Das Wetter bzw. das Sonnenlicht beeinflusst unsere Wahrnehmung auf die Umwelt und unsere eigenen Stimmungen.

 

Für die Arbeit in den Regionen waren wir allesamt vom Wetter abhängig. Fotografische Inszenierungen führten uns an ausgewählte Orte und Plätze in der jeweiligen Region. Dabei stellten die TeilnehmerInnen künstlerische Arbeiten nach und interpretierten sie, suchten einen geeigneten Platz, einen Ort in der Region. Nicht nur einmal musste eine Fotoaktion abgesagt werden, da es regnete. Bei Sonnenschein jedoch entstanden viele Bilder, Fotografien. Auch wenn die Sonne blendet und das Sonnenlicht vieles scheinbar verschwinden lässt. Diese werden in der Ausstellung gezeigt.

 

"Ich habe mir das Bild mit der Sonne ausgesucht, da ich grad wirklich eine schwere Zeit hinter mir habe und ich viel Sonne brauche." (Projektteilnehmerin aus Gmunden)

 

Bei der inszenierten Darstellung wird auf eine Fotografie von Olafur Eliasons „Weather Project“, 2003, Bezug genommen. Sie zeigt eine Installation einer überdimensionalen Sonne, die im Turbinenraum der Tate Modern, London generiert wurde und die Möglichkeit bot "hinter die Sonne gehen zu können".

 

Es zeigt sich in den Rückmeldungen der TeilnehmerInnen, dass dieses gemeinsame Tun zum Thema Wetter die Wahrnehmung sensibilisiert, auf das eigene Umfeld, die Menschen und die Umgebung, und auf sich selbst. Das gemeinsame Arbeiten im Freien, das gemeinsame Rausgehen in etwas Unbekanntes, war ein wichtiger Schritt um eine Beziehung aufzubauen, auch zum Wetter. Die gemeinsamen Erfahrungen schaffen Erinnerungen, die geteilt werden können.


07.06.: wetterbericht 2_Regen oder wir haben das meer gefunden

Bild: Rineke Dijstra
Bild: Rineke Dijstra

Ist es der Klimawandel, der uns noch mehr über das Wetter reden lässt? Es fällt den meisten Menschen leicht, das Wetter zu kommentieren.

 

Jede Region hat ihre Spezifika. Die Stimmungen in den jeweiligen Regionen sowie die ortsspezifischen Besonderheiten sind unterschiedlich.

 

Die eine oder andere Geschichte über das Wetter wurde von TeilnehmerInnen erzählt, gerade in jenen Regionen, in denen bedrohende Hochwasser erlebt wurden oder Seengebiete rasche Wetteränderungen kennen.

 

Für eine Fotoinszenierung begab sich eine Gruppe von TeilnehmerInnen auf die Suche nach dem Meer. Die niederländische Fotografin Rineke Dijstra inspirierte mit einem Portraitfoto eine Teilnehmerin dazu, dieses für sich zu interpretieren und vor der Kamera zu inszenieren. Starker Regenfall war es, der dazu führte, dass der Boden das Wasser auf einem Feld nicht mehr aufnehmen konnte und somit zum Meereshintergrund wurde.

 

Viele verschiedene Regen- und Wasserformationen, auch solche wie Latschen oder Pfützen, waren häufige Motive in den Schnellzeichnenrunden der TeilnehmerInnen. Haben sie schon mal eine Nebelwand, Blitzeis, Hochwasser, Hundstage, Schneeflocken, dunkle Wolken bzw. sonnig, frostig, graupeln, windig, ... in 15 Sekunden aufs Papier gebracht?

 

"Das Zeichnen hat mir Spaß gemacht. Ich hab gar nicht gewusst, dass ich das kann. Wir haben dann alle Schnellzeichnungen an den Wänden aufgehängt und alle angeschaut. Keiner kann in so kurzer Zeit schön zeichnen, aber darum ist es ja auch nicht gegangen. Meine Zeichnung vom Wasserfall hab ich mir dann behalten, weil ich möchte nicht, dass sie hergezeigt wird." (Teilnehmerin)


14.06.: Wetterbericht 3_Wind

Bild: Sigurdur Gumdundson
Bild: Sigurdur Gumdundson

Hält mich der Wind, wenn ich mich in ihn hineinlege oder ist die Körperschräge, die ich darstellen will doch nur ein Moment vor dem Fall? Flüchtiges wurde gesucht, um dies in Bilder festzuhalten.

 

Über die Aufträge, die für alle Teilnehmenden die gleichen waren, wurden gemeinsame Vorgaben gegeben, ob über Begriffe, Musik oder Fotografien von künstlerischen Arbeiten. Zum Einsatz kam der Körper wie die Fantasie, die eigene Geschichte, Emotionen und Sprache. Gemeinsame Geschichten sind entstanden.

 

Über das Wetter wird gerne in Schlagern, Pop- und Rocksongs gesungen und Emotionen werden geweckt. Aus einer "Jukebox" voller Wettersongs wurden die TeilnehmerInnen in einer Workshopeinheit aufgefordert, sich ein Lied daraus auszuwählen und dieses Lied in einer Kleingruppe zu interpretieren. Mit Körper, Stimme, Requisiten, Zeichnungen … findet sich nach 6 Regionsworkshops auf Top 1 "Guten Morgen, Guten Morgen, Guten Morgen Sonnenschein …", dicht gefolgt von "Zeig mir den Platz an der Sonne", auf Top 3 findet sich "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein".

 

"Mir hat das mit der Musik am besten gefallen, weil da haben wir in einer Gruppe mitsammen zu "Candle in the Wind" was gemacht, und ich hab´ da an eine Freundin und an alle aus der Familie gedacht, die schon gestorben sind. Es war schon etwas traurig, aber auch schön, wie wir uns erinnert haben, eine sehr gute und schöne Stimmung." (Teilnehmer aus Steyr)

 

Es hat sich an den Rückmeldungen der TeilnehmerInnen gezeigt, auch wenn die Erwartungen, was denn zeitgenössische Kunst ist, manches Mal eine andere war, über das Einlassen auf das Projekt ist ein Einlassen auf zeitgenössische Kunst erfolgt. Neugierde ist dabei hilfreich, Improvisation ist dabei immer angesagt. Diese Faktoren können die die Alltagsbewältigung von Menschen auch erleichtern.