07.12.2017: Zu Besuch im Wohnhaus linz STadt

Raphaela Just und Daniel Kaiser
Raphaela Just und Daniel Kaiser

Freundlich, hell und geräumig, so präsentiert sich das neue Wohnhaus Linz Stadt seinen BesucherInnen. Das neu gebaute Wohnhaus am Dießenleitenweg wurde mit Anfang September bezogen und bietet für 20 Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen ein Zuhause auf Lebenszeit.

 

Wir haben uns im neuen Wohnhaus umgesehen und uns mit Teamleiterin Raphaela Just, ihrem Stellvertreter Daniel Kaiser und den BewohnerInnen unterhalten.

 

Raphaela, hinter euch liegt ja eine intensive Zeit. Mit dem Bau des Wohnhauses wurde im August 2016 begonnen, jetzt ein gutes Jahr später, konnten die neuen BewohnerInnen bereits einziehen. Wie waren die letzten Wochen vor dem Umzug?

Raphaela: Ja, eine turbulente Zeit liegt hinter uns. Die Übersiedlung von 3 Wohnhäusern, also 3 Haushalten und 20 BewohnerInnen, war für das gesamte Team eine Herausforderung. Im Laufe der Jahre hat sich in den Wohnhäusern und bei einigen BewohnerInnen sehr viel Hab und Gut angesammelt. Bevor es ans Koffer packen ging, wurde erstmal gemeinsam mit unseren BewohnerInnen aussortiert. Auch der gesamte Hausrat der einzelnen Häuser sowie Altakten und dergleichen mussten sortiert und ausgemustert werden.

 

War die Vorfreude auf das neue Zuhause groß? Woher kommen die BewohnerInnen? Und wie ist das neue Wohnhaus ausgestattet?

Raphaela: Die BewohnerInnen kommen aus den ehemaligen pro mente OÖ-Wohnhäusern Holzingerstrasse, Ebelsberg und Wienerstrasse. Und ja, natürlich haben sich die meisten sehr gefreut. Die letzte Woche vor dem Umzug waren alle schon sehr nervös. Galt es doch, die vertraute Umgebung zu verlassen und ins Neue aufzubrechen. Damit sich die BewohnerInnen von Beginn an heimelig fühlen konnten, gab es die Möglichkeit persönliche Gegenstände oder Lieblingsmöbelstücke mit zu übersiedeln. Die BewohnerInnen konnten sich auch die Wandfarben in ihren Zimmern aussuchen und die Vorhänge auswählen. Neu ist auch, dass jetzt jedes Zimmer ein eigenes Badezimmer hat. Das trägt zu einer enormen Verbesserung der Wohnqualität und somit auch zu einer Steigerung der Lebensqualität bei.

Das neue Wohnhaus verfügt nun auch über 6 Zimmer, die auf Pflege ausgerichtet sind, das heißt sie sind rollstuhlgerecht und verfügen über Haltegriffe in Bad und WC. Ganz stolz sind wir auch auf unser Pflegebad, welches eine Bereicherung für BewohnerInnen, aber auch für uns BetreuerInnen ist. Zum einen für die BewohnerInnen, für die aufgrund körperlicher Einschränkungen das Duschen schon etwas beschwerlich und anstrengend war. Zum anderen auch für jene, die einfach nur ein beruhigendes Entspannungsbad genießen möchten. Für uns BetreuerInnen ist durch den Hebekran und die höhenverstellbare Badewanne nun ein ergonomisches Arbeiten möglich. 

 

 

Haben sich die BewohnerInnen schon an ihr neues Zuhause gewöhnt? Wie läuft so ein Tag im Wohnhaus ab?

Daniel: Ja, ich würde sagen, die meisten haben sich bereits sehr gut eingelebt. Die Atmosphäre im Haus ist sehr positiv, es gibt kaum Konflikte, durch die Weite und das Platzangebot haben sich sehr positive Entwicklungen ergeben. Man kann sich auch jederzeit zurückziehen, in das eigene Zimmer, in die Gemeinschaftsräume oder auch in den Garten.

Der Tagesablauf im Wohnhaus ist grundsätzlich organisiert. Es gibt Frühstück im Speisesaal, vormittags bekommt jede/r die individuelle Betreuung und Pflege (z. B. Unterstützung bei der Körperpflege sowie bei der Basisversorgung) die er oder sie benötigt. Zu verschiedenen Terminen, wie z. B. zum Arzt oder zur Physiotherapie, zum Friseur oder bei Einkäufen begleiten wir die BewohnerInnen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen, das uns das ATZ von Montag bis Freitag liefert (am Wochenende und an Feiertagen kochen wir selbst), gehen die BewohnerInnen, die mobiler sind, spazieren oder in die Stadt oder treffen sich auf ein Mensch-ärgere-dich-nicht im Haus. Alles läuft sehr individuell ab, abgesehen von den Essenszeiten, die für alle gelten. Derzeit arbeiten wir auch an einem Freizeitprogramm für die BewohnerInnen.

 

Wir haben uns auch mit den BewohnerInnen Andrea (58) und Klaus (51) unterhalten. Beide kennen sich schon aus dem Wohnhaus Ebelsberg und sind Freunde, die einander beistehen. In guten und weniger guten Zeiten, wie sie uns im Gespräch versichern ...

 

Andrea und Klaus im Aufenthaltraum des neuen Wohnhauses
Andrea und Klaus im Aufenthaltraum des neuen Wohnhauses

Andrea, wie gefällt es dir im neuen Wohnhaus? Was hat sich für dich verbessert?

Andrea: Mir gefällt es hier recht gut. Das Familiäre aus dem alten Wohnhaus geht mir manchmal ein bisserl ab. Ich habe ja eine Beinprothese und hatte im alten Wohnhaus große Schwierigkeiten mit der Mobilität. Jetzt kann ich mich wieder selbst duschen und mit dem Lift im Haus bin ich mobil. Auch, dass man sich hier jederzeit zurückziehen oder unter die Leute gehen, das gefällt mir sehr. Das finde ich gut. Zu meinen zwei Kindern und drei Enkerln habe ich auch Kontakt, ich sehe sie alle paar Monate. 

 

Klaus, was machst du am liebsten in deiner Freizeit und wie gefällt es dir hier? Was wünscht du dir für deine Zukunft?

Klaus: Ich fahre gern auf Flohmärkte und hab´ der Andrea schon oft was mitgenommen. Schmuck hat sie sehr gern. Ich geh´ auch gerne in die Stadt einkaufen. Ich wünsch´ mir, dass alles so bleibt, wie es ist und dass wir gesund bleiben. Ich hab´ auch längere Zeit allein gelebt, aber das ist nichts für mich. Man vereinsamt sehr schnell.

Zum Abschluss Raphaela, gäbe es ein Motto unter dem das Leben und Arbeiten im Wohnhaus Linz Stadt steht, wie würde das lauten?

Raphaela: Unser Wohnhaus bietet ein Stück Familie und Heimat für Menschen, die sich aufgrund ihrer psychischen Erkrankung schon einiges im Leben mitgemacht haben. Aufgrund ihrer Erkrankung können sie nicht selbständig leben. Unser Motto, würde ich sagen, besteht darin, dass wir all unseren BewohnerInnen, die individuelle Unterstützung und Hilfe geben, die nötig ist, um ein  selbstbestimmtes Leben führen zu können. Ziel ist dabei, dass die bestehende Selbständigkeit und die Ressourcen unserer BewohnerInnen so weit wie möglich gefördert und erhalten werden.

 

Danke für das Gespräch!

Bettina Roitinger, Abteilung Kommunikation & Marketing