20.06.2017: IM FOKUS Zentralraum linz

Bild von Im Fokus Innviertel

Jeden Monat neu. Interessantes und Informatives aus den Regionen Oberösterreichs.

 

Der Zentralraum Linz besteht aus den politischen Bezirken Linz-Stadt und Linz-Land und hat insgesamt rund 344.000 EinwohnerInnen. Eine Besonderheit liegt in der unterschiedlichen Bevölkerungsdichte der beiden Bezirke, wobei auch in der Versorgungsdichte ein deutliches Stadt-Land Gefälle feststellbar ist. So konzentrieren sich die verschiedenen Angebote an psychosozialer Unterstützung auf die Städte Linz, Traun und Enns.

 

aktuelles aus der region

Dr. Karin Thonhofer
Dr. Karin Thonhofer

Regionalleiterin Karin Thonhofer:

Neben vielen Herausforderungen werden 2 neue Standorte bezogen: die Psychosoziale Beratungsstelle, die Mobile Betreuung und Hilfe und der Freizeitclub Linz-Land übersiedeln von der Tischlerstrasse in die Bahnhofstrasse 15 in Traun und die Fertigstellung des Wohnhauses Linz am Dießenleitenweg rückt näher. Das sind für alle Beteiligten unruhige Zeiten verbunden mit Freude über die neuen Räumlichkeiten.

 

Morgen (7. Juni) eröffnet das Jugendprojekt resp@ct für Jugendliche im NEET-Status (Not in Education, Employment or Training) seine Tore. Im Geschäftsfeld Sucht startet heute ein niederschwelliges Beschäftigungsangebot für suchtkranke Menschen.

 

Das Pilotprojekt „Zentrum für berufliche Zukunftsplanung“ entwickelt sich seit Jahresbeginn sehr gut. Mit der Ausstellung „VIELFALT“ im Landesdienstleistungzentrum Linz werden Werke unserer KlientInnen der kunstinteressierten Öffentlichkeit vorgestellt und können bis März 2018 besichtigt und käuflich erworben werden.

 

Es ist sehr erfreulich, dass besondere Herausforderungen neben der täglichen Arbeit mit KlientInnen engagiert gemeistert werden, wofür den MitarbeiterInnen große Anerkennung gebührt!


Bericht 2 - 20.06.2017

Wohnhäuser Linz - im Wandel der Zeit

Die drei Wohnhäuser von pro mente OÖ in Linz geben aktuell 18 Menschen mit psychischen Erkrankungen ein Zuhause. Aufgrund des höheren Lebensalters verbringen immer mehr BewohnerInnen ihren Lebensabend in den Wohnhäusern. Große Herausforderungen sind dabei die zum Teil nicht mehr adäquate Infrastruktur, die Umbauten bzw. Neubauten nötig macht.

Auch die Anforderungen an die MitarbeiterInnen sind gestiegen: Denn viele, die im hohen Alter betreut werden, brauchen spezifische Pflege und Unterstützung. Die Häuser sind renovierungsbedürftig und entsprechen in mehrerlei Hinsicht nicht mehr den baulichen Rahmenbedingungen für eine adäquate Versorgung und Pflege der BewohnerInnen.

 

Besonders in Situationen mit KlientInnen mit stark erhöhtem Pflegebedarf stoßen die BetreuerInnen immer mehr an ihre Grenzen. Viel Kreativität, Engagement, Geduld und Improvisation ist notwendig, um den KlientInnen die individuelle Pflege angedeihen zu lassen, die sie auch brauchen. So ist es mühsam, steile und enge Treppen zu bewältigen oder eine angemessene Körperpflege eines mobilitätseingeschränkten Menschen bei engen, verwinkelten Räumen und zu schmalen Türen durchzuführen. Auch eine bettlägerige Klientin über ein Jahr lang nur im Bett zu waschen und keine Möglichkeit zu haben, sie in ein Pflegebad zu transportieren oder in einen der Gemeinschaftsräume zu befördern, um sie zumindest am gesellschaftlichen Leben teil nehmen zu lassen, ist eine große Herausforderung für alle.

Diesen Anforderungen begegnet pro mente OÖ mit dem Neubau des Wohnhauses am Dießenleitenweg.

 

Das neue Wohnhaus Linz - ein Ort, an dem KlientInnen ihren Lebensabend verbringen und in Würde alt werden können.
Das neue Wohnhaus Linz - ein Ort, an dem KlientInnen ihren Lebensabend verbringen und in Würde alt werden können.

Das neue Wohnhaus Linz - Im Gespräch mit Raphaela Just

"Es bedurfte viel Zeit, Verhandlungen, Planung, Engagement und Geduld bis letztlich im August 2016 das Projekt „Dießenleitenweg“ real wurde und endlich die „Baggerschaufel“ zum Einsatz kam", so Raphaela Just, Teamleiterin der Wohnhäuser Linz. "Das neue Haus hat Platz für 18 ältere BewohnerInnen und zusätzlich zwei Kurzzeitpflegeplätze. Es ersetzt dann die Wohnhäuser in Ebelsberg, in der Holzingerstrasse und in der Wiener Straße."

 

Die Sorge von kleinen Einheiten einen Schritt zurück in große, unüberschaubare zu machen und somit Einbußen in der Betreuungsqualität hinnehmen zu müssen, teilt Raphaela Just nicht, denn: "Die Räumlichkeiten sind auf 3 Geschoße aufgeteilt und durch die architektonische Planung und unser Zutun werden wir den Charme von kleinen, familiären Strukturen beibehalten."

 

Weiters soll durch Wohngruppen der Alltag der BewohnerInnen so normal wie möglich gestaltet werden. Auch durch die Größe der einzelnen Zimmer erlangen die BewohnerInnen wieder mehr Privatsphäre und Individualität. "Die baulichen Rahmenbedingungen werden es uns ermöglichen, klientInnen- und bedürfnisorientiert zu arbeiten. Auch ein erhöhter körperlicher Pflegebedarf wird uns in Zukunft in unserer Professionalität nicht mehr einschränken.", freut sich Raphaela Just auf den Bezug des Wohnhauses Anfang September.

 

Das Projekt „Dießenleitenweg“ ist ein Veränderungsprozess, der für und mit Menschen gestaltet wird. Ein Neubeginn, der zukunftsorientiert für bessere Wohn- und Lebensqualität steht. "Ich freue mich und bin stolz an diesem Veränderungsprozess mitarbeiten zu dürfen. Ein großes Dankeschön möchte ich auch an alle MitarbeiterInnen der Wohnhäuser Linz für die Geduld, Loyalität und Einsatzbereitschaft aussprechen und auch an an alle Beteiligten, durch deren Einsatz und Engagement dieses Bauvorhaben realisiert werden konnte", so Raphaela Just abschließend.

 


Bericht 1 - 06.06.2017

REsp@ct - Neue Perspektiven für mein Leben

resp@ct - ein neues Angebot von pro mente Jugend in Linz und Linz-Land hilft jungen Menschen im „NEET“-Status – (Not in Employment, Education or Training) durch Beziehungsarbeit und individuelle Angebote neue Perspektiven in ihrem Leben zu finden.

 

Rainer Kurzmann, Teamleiter resp@ct
Rainer Kurzmann, Teamleiter resp@ct

Rund 10.600 Jugendliche in Oberösterreich befinden sich aktuell im NEET-Status. Dh sie besuchen keine Schule, gehen keiner Arbeit nach und befinden sind auch nicht in einer Ausbildung. Sie kommen meist aus schwierigen familiären Verhältnissen oder leben mit Beeinträchtigungen, die entsprechende individuelle Zugänge benötigen, um in dieser Beschäftigungswelt oder in der Schule - und vor allem aber im Leben - (wieder) Fuß zu fassen.

 

Bettina Roitinger (Kommunikation & Marketing) hat mit Rainer Kurzmann über das neue Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene von 15-24 Jahren gesprochen:

 

Rainer, wann habt ihr das Projekt resp@ct gestartet?

Anfang dieses Jahres. Nachdem wir die optimalen Räumlichkeiten in der Waldeggstraße 12 in Linz gefunden hatten, waren wir zuerst einmal mit dem Umbau, dem Einkauf von Möbeln, EDV, Küche etc. beschäftigt. Zeitgleich haben wir uns stark mit der Öffentlichkeitsarbeit befasst, damit unser Angebot bei jungen Menschen und deren Eltern als auch bei KooperationspartnerInnen bekannt wird. Im nächsten Schritt stand dann die Gestaltung und das Einrichten von unseren Räumlichkeiten im Vordergrund. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen einen Ort zum Wohl fühlen haben und wir entwicklen diesen auch gemeinsam mit ihnen weiter.

 

Wie kommen die Jugendlichen zu euch bzw. wie erreicht ihr die Jugendlichen?

Das ist eigentlich das Schwierigste. Wo findet man denn die Jugendlichen, die eigentlich „nirgends“ sind? Wie schon erwähnt, machen wir das auf mehreren Wegen: Durch enge Kooperation mit anderen Sozialeinrichtungen, über unsere Social Media Seiten, Mundpropaganda und in bestimmten Fällen auch durch aufsuchende und nachgehende Sozialarbeit. Uns ist es auch wichtig, dass wir die Eltern erreichen, denn viele wissen oft nicht, was es eigentlich an Unterstützung gibt. 

 

Wie viele Jugendliche haben Platz bei euch?

resp@ct bietet ca. 15-25 Jugendlichen Raum und Platz. Hier kann man neue Leute kennenlernen, sich unterhalten, Spaß haben und sich in verschiedenen Bereichen ausprobieren und entfalten.

 

Was heißt das konkret? 

Wir haben 4 verschiede Angebote (factories) entwickelt. Bei cre@te & taste stehen gemeinsames Kochen und Essen im Vordergrund, mind sp@ce bietet Angebote zur Wissenserweiterung, art f@ctory heißt kreatives Arbeiten mit Holz, Nähen, Malen, Bedrucken von T-Shirts, Tassen etc. und bei n@ture & action stehen Bewegungsangebote und Unternehmungen im Vordergrund. In unserem Garten bauen wir Kräuter und Gemüse an, pflegen, ernten und kochen dann damit.

 

Therapiehund Nanook
Therapiehund Nanook

Eure Therapiehunde Nanook und Willi haben mich heute ganz herzlich begrüßt ...

Ja, mit unseren beiden Therapiehunden erreichen wir auch sehr zurückgezogene und ängstliche Jugendliche. Die 15jährige Sabrina (Name geändert) war zB seit 2 Jahren nur zu Hause, sie ging nicht mehr zur Schule und ging generell nicht mehr vor die Tür´. Ihre Mutter erfuhr über die Kinder- und Jugendhilfe von resp@ct. Sie kam dann mit Sabrina zu uns in der Hoffnung, dass ihre Tochter einen Platz findet, an dem sie sich wohlfühlt und wieder mehr Selbstvertrauen gewinnen kann. Nach Spaziergängen gemeinsam mit Nanook und 2 BetreuerInnen kommt sie das nächste Mal bereits allein  - also ohne Mama - zu uns. Man spürt, dass sie "auftaut" und ihr Vertrauen wächst. In diesem Fall ist das ganz sicher Nanook zu verdanken.

 

Muss man sich anmelden? Welche Kosten entstehen?

Es ist keine Anmeldung nötig und es entstehen auch keine Kosten. Um den Einstieg als auch die Kontaktaufnahme zu erleichtern, bieten wir in bestimmten Fällen aufsuchende und nachgehende Jugendarbeit an. Wenn es nötig ist, holen wir die Jugendlichen auch in ihrem Lebensumfeld ab, bieten Nachbetreuung und Begleitung. Sind die Jugendlichen erst einmal an Bord bieten wir natürlich jegliche Hilfestellung, wenn es um die Vorbereitung als auch die Vermittlung in weiterführende Projekte, AMS-Kurse, Schule, Lehre oder Arbeit geht.

 

Und zum Schluss: Welche Faktoren begünstigen das Risiko in einen NEET-Status abzurutschen?

Da gibt es natürlich eine Vielzahl von Faktoren: Migrationshintergrund, bildungsferne Eltern oder eine mangelhafte Schul- oder Berufsausbildung. Auch Arbeitslosigkeit, schwierige familiäre Umstände oder ein Leben in großen Städten erhöhen das Risiko. Der stärkste Risikofaktor ist aber ein zu früher Schulabgang bzw kein Pflichtschulabschluss. Nicht vergessen darf man aber auch andere Einflüsse wie langjährige Mobbingerfahrung oder psychische Erkrankungen.

 

Kontakt:

pro mente Jugend

Projekt resp@ct

Waldeggstr. 12, 4020 Linz

+ 43 / 664 / 84 94 149

respect@promenteooe.at

 

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 8.00-16.00 Uhr, Freitag von 8.00-12.00 Uhr

 

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