28.11.2017: Im Fokus Pyhrn-eisenwurzen

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Jeden Monat neu. Interessantes und Informatives aus den Regionen Oberösterreichs.

 

 

In der Region Pyhrn-Eisenwurzen, im Südwesten Oberösterreichs, leben rund 155.000 Menschen in den Bezirken Kirchdorf, Steyr-Land und Steyr-Stadt. In der Versorgungsdichte der Region ist ein deutliches "Stadt-Land-Gefälle" feststellbar: Die verschiedenen Angebote an psychosozialer Unterstützung und Hilfe konzentrieren sich vorwiegend auf die Städte Kirchdorf und Steyr. Mit mobilen und aufsuchenden Angeboten versuchen wir in der ganzen Region Menschen zu erreichen, die unsere Hilfe benötigen.

 

aKTUELLES AUS DER REGION

Mag.a Sonja Neuwirth, Regionalleiterin Pyhrn-Eisenwurzen
Mag.a Sonja Neuwirth, Regionalleiterin Pyhrn-Eisenwurzen

Regionalleiterin Mag.a Sonja Neuwirth:

Menschen zusammenbringen, gemeinschaftlich etwas tun, sie motivieren, sich im Freien zu bewegen - auch wenn es kalt ist und regnet - war unser Bestreben bei der im August initiierten  „Bewegungsgruppe“ (gehen / walken / laufen), die  allen pro mente OÖ-KlientInnen der Region offen steht.

 

Wir freuen uns sehr, dass jeden Dienstag 10-15 Personen dieses Angebot nutzen und damit etwas für Körper, Geist und Seele tun … besonders  dann, wenn die Tage kürzer werden und gleichzeitig  die Überwindung, etwas zu unternehmen, größer wird!

 

Weiters hatten wir im Sommer die Möglichkeit, auf die geänderten, intensiver werdenden Betreuungsbedürfnisse der BewohnerInnen der Wohngemeinschaft Schlierbach zu reagieren und das teilbetreute Angebot in eine vollbetreute Wohnform zu adaptieren, was für alle Beteiligten – BewohnerInnen ebenso wie BetreuerInnen – eine spürbare, große Erleichterung darstellt.

 

Darüber hinaus hat sich die Vielfalt an Unterstützungsangeboten in Pyhrn Eisenwurzen weiter vertieft: In beiden Bezirksstädten, Steyr und Kirchdorf, konnten neue Angebote für betroffene Menschen etabliert werden: Einerseits „stand up“ als Beratungsangebot zur beruflichen Rehabilitation für Menschen mit psychosozialem Unterstützungsbedarf und andererseits  „convoy“ als niederschwelliges Angebot für suchtkranke Menschen.

 


28.11.17 - Bericht 2

stricken für die seele - Ein angebot von freizeit & kommunikation in kirchdorf

Der Bereich Freizeit & Kommunikation in Kirchdorf bietet viele verschiedene Aktivitäten an. Ein Angebot ist die Handarbeitsgruppe am Montagnachmittag. Interessenvertreterin Kathi Lechner leitet diese seit acht Jahren.

 

Teamleiter Josef Wagneder hat mit Kathi Lechner ein Interview geführt.

 

Liebe Kathi, wann und warum bist du zum Treffpunkt gekommen?

Ich bin aus gesundheitlichen Gründen zum Treffpunkt nach Kirchdorf gekommen. Mein Arzt hat mich motiviert, mir etwas zu suchen, das mir Freude macht und mich 2001 auf pro mente OÖ aufmerksam gemacht. Seit 2009 leite ich nun die Handarbeitsgruppe.

 

Was ist deine Motivation über die Jahre jeden Montag die Handarbeitsgruppe zu leiten?

Mir ist es wichtig, dass die Menschen, die zu uns kommen, Freude am gemeinsamen Tun haben. Das macht mir Freude und motiviert mich auch. Es ist einfach schön, sich mit Menschen zu treffen und sich beim Stricken vieles von der Seele zu reden. Dann geht man gestärkt wieder nach Hause. Wenn ich gesund bleibe, möchte ich das noch lange machen.

Auch die vielen schönen Begegnungen motivieren mich immer wieder: Mit Frau K. z. B., die auch noch im Alter von 90 Jahren so schön Sticken konnte, oder Frau R., die trotz Schlaganfall weiterhin gestickt hat. Auch, dass es nach wie vor Kontakte zu manchen gibt, die nicht mehr in den Treffpunkt kommen können.

 

Was hat sich aus deiner Sicht seit dem Start verändert?

Früher hatten wir sehr wenig Platz, das ist jetzt mit dem neuen Standort am Brunnenweg viel besser geworden. Zwischen 5-7 Menschen kommen an den Montagnachmittagen zu uns. Wichtig ist mir auch, dass nicht jeder immer etwas tun muss. Es reicht auch völlig, in der Runde dabei zu sein.

 

Ihr strickt ja nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für die Geburtenabteilung des Krankenhauses Kirchdorf ...

Ja, wir stricken Hauberl, Fausterl und Patscherl und stellen diese zur Verteilung an die Mütter zur Verfügung. Die Idee hatte ich nach einem Aufruf zum Stricken für Rumänien. Das hat mich so motiviert, dass ich unbedingt weitermachen wollte. So bin ich zum Stricken fürs Krankenhaus gekommen. Das machen wir nun schon seit 8 Jahren. Am Anfang waren es noch nicht so viele Artikel, mittlerweile sind wir bei ca. 340 Stück pro Jahr. Es gibt auch eine „Außenstelle“ im Altenheim Ried. Dort unterstützt uns eine Bewohnerin. Die Wolle wird uns von SpenderInnen zur Verfügung gestellt. Für Spenden sind wir sehr dankbar.

 

Auch für den jährlichen Oster- und Weihnachtsmarkt wird uneigennützig gestrickt ...

Ja, jetzt stricken und basteln wir gerade für unseren Weihnachtsmarkt am 28. November am Standort Brunnenweg. Die Einnahmen daraus kommen dann in die F&K TeilnehmerInnenkassa. Daraus finanzieren wir den wöchentlichen Obstkorb für alle, Geburtstagsgeschenke und die Weihnachtsfeier.

Liebe Kathi, danke für das Interview und deinen Einsatz!

 


14.11.17 - Bericht 1

Reden hilft! - Ein Angebot der psychosozialen Beratungstelle von pro mente OÖ

Jeder kann in seinem Leben in belastende Situationen kommen. Die Dinge im Rahmen einer professionellen Beratung zu besprechen, kann helfen mehr Klarheit zu finden und wieder Licht am Ende des Tunnels sehen.

die geschichte von veronika g. - und plötzlich ist alles anders  ...

Veronika G. (43) ist verheiratet und hat einen 19-jährigen Sohn. Sie arbeitet Teilzeit in der Feinkostabteilung eines Lebensmittelgeschäftes. Mit "ihren Männern" fährt Sie gerne nach Italien auf Urlaub. Eigentlich ist alles "relativ normal" - Alltag mit Familie eben.

 

Anfang Juni 2016 bekommt sie nach einem Gips und einer darauf folgenden Thrombose plötzlich eine Lungenembolie  und macht eine Nahtod-Erfahrung. Die Intensivstation und ein längerer Krankenhausaufenthalt folgen. Und plötzlich ist alles anders ...

 

Trotz voller Unterstützung meine Familie schaffe ich es nicht mehr alleine.
Veronika G. meldet sich im Sommer 2016 in der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB) Steyr. Jetzt kommt alles hoch. Sie fühlt sich sehr unsicher und instabil, möchte Gespräche als Überbrückung bis zur Reha. Sie ist zum ersten Mal in einer Beratung und ist etwas skeptisch, ob sie sich öffnen kann und soll.

 

Ich schäme mich. Ich habe Angst mein Gesicht zu verlieren. Aber Reden tut gut!

Veronika G. wird zur Überbrückung ins PAZ (Psychiatrisches Ambulanzzentrum) weitervermittelt, da sie krisenhaft wirkt und rasch Gespräche braucht. Die Wartezeit in der PSB wäre zu lang, kurzfristige engmaschige Termine sind im Moment zu wenig frei. Sie bleibt aber zur Sicherheit auf der Warteliste. Sie stabilisiert sich recht gut, es geht wieder aufwärts. Bis im September dann das Blutverdünnungsmedikament abgesetzt wird. Das Sicherheitsnetz fällt weg.

 

Plötzlich sind massive Panikattacken da. Veronika G. glaubt sterben zu müssen. Sie wird von der Beraterin jetzt wieder in die PSB vermittelt – offenbar sind doch noch weitere Gespräche notwendig. Veronika G. ist am Boden - war sie doch eine selbstbewusste Frau, die mit beiden Beinen voll im Leben stand - und jetzt?

 

Ich glaube, ich stehe wieder am Anfang. Ich bin verzweifelt.
Im Oktober 2016 starten die engmaschigen Beratungsgespräche. Der Umgang mit den Panikattacken ist das Hauptthema. Das Autofahren ist kaum mehr möglich - was tun? Im Gespräch wird den Panikattacken ein Name gegeben: "Franz" wird "geboren" - mit ihm kommuniziert sie, so kann sie die bedrohlichen Gefühle während der Attacke "nach draußen" verlagern. ("Externalisierung" sagt die Fachwelt dazu.) Franz fährt im Auto mit - am Rücksitz, im Kofferraum. Aber nicht mehr in ihr. Das hilft.


Die Herangehensweise und die Vorschläge von Frau Garstenauer sind sehr wertvoll und für mich maßgeschneidert. Ich kann sie gut umsetzen.

An manchen Tagen schafft es Veronika G. trotzdem nicht nach Steyr zu den Beratungsterminen zu fahren. Aber dann greift sie zum Telefon und kann sich so Stärkung holen. "Das Angebot meinen Termin am Telefon wahrzunehmen, war für mich ein Segen, denn ich wollte ja Reden. Es nahm mir sehr viel Druck!"

 

Die Monate im Sommer 2017 sind geprägt von Aufs und Abs – sind eine Mischung aus Ungeduld, Ärger, Nervosität, Tränen, Hoffnung, Fortschritten und Rückschlägen. Kontinuierlich wurden die engmaschigen Gesprächstermine gelockert. Es geht langsam aufwärts! Optimismus und Freude kommen wieder, eine berufliche Umorientierung ist im Laufen.


"Ich danke für die Unterstützung. Ich hätte nie gedacht, dass alles wieder gut werden kann. Danke, Frau Garstenauer. Ich bin wieder im Leben!"

 

Sonja Garstenauer bietet Beratungen in der Psychosozialen Beratungsstelle
Sonja Garstenauer bietet Beratungen in der Psychosozialen Beratungsstelle

Sonja Garstenauer: Wichtig in meiner Arbeit als Beraterin ist mir vor allem der Respekt gegenüber den Menschen, die zu mir kommen. Es ist für viele ein sehr schwieriger Schritt, ihre Probleme "nach außen" zu tragen und ich bin mir der Verantwortung ihnen gegenüber bewusst.

Ich versuche, jede Person mit  ihren eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten ernst zu nehmen und in der Beratung meine Wertschätzung  dafür einzubringen. Es ist ein "gemeinsamer Prozess der Lösungssuche", den ich immer wieder aufs Neue in meinen Beratungen beginne.

Ich sehe meine Arbeit (neben meiner Familie) als einen sehr erfüllenden Teil meines Lebens. Sie ist immer abwechslungsreich, manchmal schwierig, immer wieder auch lustig und es ist v. a. ein schönes Gefühl, wenn jemand wieder auf dem "Weg der Besserung" ist.