31.01.2017: IM FOKUS Zentralraum linz

Bild von Im Fokus Innviertel

Jeden Monat neu. Interessantes und Informatives aus den Regionen Oberösterreichs.

 

Der Zentralraum Linz besteht aus den politischen Bezirken Linz-Stadt und Linz-Land und hat insgesamt rund 344.000 EinwohnerInnen. Eine Besonderheit liegt in der unterschiedlichen Bevölkerungsdichte der beiden Bezirke, wobei auch in der Versorgungsdichte ein deutliches Stadt-Land Gefälle feststellbar ist. So konzentrieren sich die verschiedenen Angebote an psychosozialer Unterstützung auf die Städte Linz, Traun und Enns.

 

Wir haben die Regionalleiterin Dr. Karin Thonhofer gebeten, uns einige Fragen zur Region zu beantworten:

Dr. Karin Thonhofer und Bettina Roitinger
Dr. Karin Thonhofer und Bettina Roitinger

Worauf liegen die Schwerpunkte im Zentralraum Linz?

Karin Thonhofer: "Im Zentralraum haben wir viele Angebote für Menschen mit psychischen Problemen entsprechend dem OÖ Chancengleichheitsgesetz: Jährlich werden rund 5.600 Menschen an 26 Standorten professionell unterstützt und mobil in ihrem Lebensumfeld betreut.
Diese Zahlen umfassen die Bereiche psychosoziale Beratung, Wohnen teil- und vollbetreut, Mobile Betreuung und Hilfe, Fähigkeitsorientierte Aktivität (Werkstätten und Integrative Beschäftigung) und Freizeit- und Kommunikationsangebote. Die rund 50 LaienhelferInnen stellen ein wichtiges ergänzendes Angebot für die KlientInnen dar.

Besondere Bedeutung haben aus meiner Sicht die sogenannten "ergänzenden Leistungen" bekommen, welche ohne Bescheid in Anspruch genommen werden können, wie insbesondere der Bereich Freizeit und Kommunikation. Die Angebote von Kunst und Kultur, pro sport und dem Clubhaus pro people stehen allen Menschen mit psychischen Problemen offen und stellen durch den niederschwelligen Zugang auch ein wichtiges präventives Angebot dar.

 

Welche Angebote gibt es noch in der Region?

Karin Thonhofer: Linz bietet sehr viele Angebote. Ein besonders wichtiges Angebot ist zB die Krisenhilfe OÖ, an deren Entwicklung und Durchführung pro mente OÖ federführend beteiligt war und ist. Diese leistet rund-um-die-Uhr Erste Hilfe bei psychischen Problemen unter der Telefonnummer 0732 21 77. Im Geschäftsfeld pro mente Arbeit bieten wir verschiedene Arbeitstrainingszentren, das in.takt, das Filino und Smartwork, einen sozialökonomischen Betrieb. Das Institut Suchtprävention ist Kompetenzzentrum und wichtiger Partner für Eltern, Kindergärten, Schulen, die Jugendarbeit, Gemeinden und Betriebe. Das Point, eine Beratungsstelle für Suchtfragen, bietet Rat & Hilfe zum Thema Sucht. Für Jugendliche stellt pro mente Jugend Angebote in den Bereichen Wohnen und Beschäftigung zur Verfügung.

 

Gibt es spezielle Angebote in der Region?

Karin Thonhofer: Ja, drei besondere Kooperationsprojekte möchte ich kurz erwähnen: Das SPAZ (Sozialpsychiatrische Ambulanzzentrum), das gemeinsam mit dem Neuromed Campus als kurzfristiges Überbrückungsangebot an der Nahtstelle zwischen stationärem und außerstationärem Bereich zur Verfügung steht. Der Aktivtreff bietet Menschen mit Demenz und deren Angehörige Information, Beratung und Betreuung an und zwar gemeinsam mit der SZL-Seniorenzentren GmbH Linz. Und das Zentrum für berufliche Zukunftsplanung (ZBZ), ein neues Angebot von pro mente OÖ und dem Diakoniewerk OÖ, das seit 2017 im Pilotbetrieb ist. Das ZBZ bietet Information, Beratung und Begleitung zu Fragen der beruflichen Zukunftsplanung, Weiterentwicklung und Veränderungsmöglichkeiten für Menschen mit psychischen und/oder körperlichen und/oder kognitiven Beeinträchtigungen.


Bericht 4 - 31.01.2017

krisenhilfe oö - Rat und hilfe bei psychischen krisen


Unglücksfälle, Schicksalsschläge, Katastrophen ... Wenn Menschen in akuten Krisensituationen Hilfe benötigen, steht die
Krisenhilfe OÖ unter der Telefonnumer 0732 21 77 bereit - 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Die MitarbeiterInnen der Krisenhilfe OÖ hören zu, helfen, beraten, leisten Beistand, erklären, vermitteln weiterführende Hilfen und sind einfach da. Das Angebot gilt für ganz Oberösterreich und wird von der Zentrale in Linz und fünf Regionalstellen (Bad Leonfelden, Ried, Steyr, Vöcklabruck und Wels) organisiert und abgedeckt. Die Krisenhilfe OÖ, unter Federführung von pro mente OÖ, ist ein gemeinsames Angebot von pro mente OÖ, EXIT-sozial, Rotem Kreuz OÖ und Telefon- und Notfallseelsorge. Die Kooperation und das Angebot sind einzigartig in ganz Österreich.

 

Monika Czamler, Geschäftsfeldleiterin der Krisenhilfe OÖ
Monika Czamler, Geschäftsfeldleiterin der Krisenhilfe OÖ

"Die Krisenhilfe OÖ leistet Akuthilfe am Telefon und auch in persönlichen Gesprächen im Rahmen von Hausbesuchen oder am Ort von traumatischen Ereignissen. Damit wird gewährleistet, dass Menschen in akuten Krisensituationen die Hilfe und Unterstützung bekommen, die sie brauchen und wünschen. Wir arbeiten eng vernetzt mit bestehenden regionalen Strukturen und Koop- erationspartnern, wie zB Psycho- sozialen Beratungsstellen, Ambu- lanzen und Krankenhäusern und den Einsatzkräften der Notdienste wie Rettung, Feuerwehr und Exekutive. Alle Angebote der Krisenhilfe OÖ sind kostenlos und vertraulich."

 

Wie ein ganz normaler Tag bei der Krisenhilfe OÖ ausschaut,

hat uns monika czamler im gespräch geschildert:

Zwei MitarbeiterInnen sind rund-um-die-Uhr am Krisentelefon erreichbar.
Zwei MitarbeiterInnen sind rund-um-die-Uhr am Krisentelefon erreichbar.

Es ist 7.30 Uhr. Der Journaldienst beginnt. Zwei KollegInnen beginnen ihren Dienst am Krisentelefon, das rund um die Uhr besetzt ist. Sie werden von den KollegInnen vom Nachtdienst informiert, was in den letzten Stunden vorgefallen ist.  Ein Rückruf, nach einem plötzlichen Todesfall in einer Familie, ist noch zu tätigen. Die Aufgaben werden aufgeteilt. Das Telefon läutet bereits wieder. Ein Kollege verabschiedet sich von den KollegInnen aus dem Nachtdienst und geht ans Telefon.

Das KAT-Team wird alamiert.

Am Vormittag ist nach einigen Telefonaten auch eine Kollegin vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes am Telefon. Sie ist sehr unter Druck und schildert, dass sie gerade bei einer Familie im Einsatz ist. Der Sohn der Familie hat sich in der Nacht das Leben genommen. Es ist eine sehr große Familie und es ist aus ihrer Sicht dringend, dass das KAT-Team (MitarbeiterInnen-Team zur Krisenintervention nach akuter Traumatisierung) gleich zur Unterstützung in die Familie kommt. Die Situation ist sehr zugespitzt, es gibt gegenseitige Schuldzuweisungen. Nachdem einige Fragen besprochen und geklärt wurden, wird mittels SMS-Alarmierung versucht eine MitarbeiterIn vom KAT-Team zu finden, die sofort in den Einsatz fahren kann. Gleichzeitig kommt eine weitere Kollegin in den Dienst und übernimmt den Gesprächstermin mit einer Mutter und ihrer Tochter.

Die beiden anderen KollegInnen sind gerade mit aktuellen Fallgeschichten intensiv beschäftigt. Für den Einsatz bei der Familie hat sich soeben eine Mitarbeiterin aus dem KAT-Team gemeldet, die sofort zur Familie fahren kann. Sie wird diese für die nächsten Tage und wenn notwendig für die nächsten Wochen intensiv begleiten und unterstützen. Auch das Abklärungsgespräch ist beendet und die junge Frau wird in der nächsten Zeit Termine zur Krisenbegleitung in Anspruch nehmen.


An der Tür läutet es und auch das Telefon steht nicht still.

Ein älteres Paar, die Frau sehr weinerlich, ist unangekündigt gekommen. Sie haben große Schwierigkeiten mit ihrem erwachsenen, psychisch kranken Sohn. Ein Kollege nimmt sich der beiden an.

Der Obmann vom Sportverein, bei dem der junge Mann aktiver Sportler war, bittet um Unterstützung für das abendliche Treffen im Verein mit den Jugendlichen.

Eine verzweifelte junge Frau ruft an. Sie leidet unter massiven Angstzuständen und traut sich nicht mehr aus dem Haus. Die KollegInnen versuchen, die Frau zu beruhigen. Da sie sich kaum entspannt, entscheidet sich die Kollegin, einen Hausbesuch anzubieten. Die MitarbeiterInnen in Bereitschaft werden informiert und fahren los.

Mittlerweile ist auch das Gespräch mit dem älteren Ehepaar zu Ende. Der Kollege hat in drei Tagen einen Termin in der regionalen Beratungsstelle zur weiteren Angehörigenberatung vereinbart. Zwei KAT-KollegInnen haben sich für den Abendtermin im Sportverein gemeldet und bekommen die näheren Informationen.

 

Ist alles in Ordnung?

Mittlerweile ist es 14.00 Uhr, die KollegInnen vom Journaldienst sind etwas in Sorge. Der Einsatz bei der Familie des jungen Mannes dauert schon sehr lange. Telefonisch informieren sie sich bei der Kollegin vor Ort, ob alles in Ordnung ist oder ob sie Unterstützung braucht. Die Kollegin schildert, dass sie mit der gesamten Familie gesprochen und dann auch einige Einzelgespräche geführt hat. Die Großmutter des jungen Mannes war noch nicht informiert und sie hat einen Familienangehörigen beim Gespräch begleitet. Der Hausbesuch ist für heute beendet und für den übernächsten Tag wird einen neuerlicher Besuch vereinbart.


Währenddessen haben noch 28 andere Menschen angerufen und um Unterstützung gebeten.

 

Gegen Abend wird es etwas ruhiger.

Der Kollege, der Nachtdienst hat, kommt und gleichzeitig melden sich die beiden KAT-MitarbeiterInnen vom Akut-Hausbesuch bei der jungen Frau zurück. Sie informieren über das Ergebnis und die Vereinbarung, dass die junge Frau später noch einmal von der Krisenhilfe angerufen wird. Sie ist mittlerweile wesentlich ruhiger. Morgen wird die Mutter kommen und sie in die psychiatrische Ambulanz begleiten. Die junge Frau weiß, dass jemand die ganze Nacht über in der Krisenhilfe erreichbar ist. Das gibt ihr etwas mehr Sicherheit.

 


Bericht 3 - 24.01.2017

pro mente Arbeit - Neue Perspektiven für das (Berufs)Leben


Arbeit hat einen zentralen Stellenwert im Leben. Wer schon einmal Angst um seinen Job haben musste oder gar seinen Arbeitsplatz verloren hat, der weiß, wie bedrückend diese Situation ist. Besonders betroffen sind Menschen in und nach psychischen Krisen. Sie brauchen gezielt Unterstützung, um im Berufsleben wieder Fuß zu fassen. In den 14 Arbeitstrainingszentren (ATZ) von pro mente OÖ können Menschen ohne Arbeit in einem 15-monatigen Training ihre psychische Stabilität wieder zurückgewinnen und dadurch wieder fit für die Arbeitswelt werden.

 

Logo vom kleinen Planet

Auch das ATZ BUCHplus in Linz hat schon viele Menschen auf ihrem Weg begleitet. Wer den heimeligen Buchladen in der Südtirolerstraße 18 betritt, fühlt sich gleich willkommen. In angenehmer Atmosphäre werden sowohl literarische Schmankerl als auch Fachliteratur und eine tolle Auswahl an Kinderbüchern angeboten.

Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass sich dieser Buchladen von anderen unterscheidet. Denn das Angebot von pro mente OÖ bietet Trainingsarbeitsplätze für bis zu 22 TeilnehmerInnen, u. a. im Buchladen, in der hauseigenen Buchbinderei, in der Grafikabteilung oder in der Fachbibliothek. Auch Fertigungsaufträge für Firmen werden erledigt.

 

Stabil durch Arbeitstraining
Karl S. und Pia R. haben ein Arbeitstraining bei BUCHplus absolviert. Der 52-jährige, der schon seit einigen Jahren arbeitslos war, konnte sich im 15-monatigen Arbeitstraining bei BUCHplus wieder ausreichend stabilisieren. Pia R. (30), Kellnerin und Mutter von 2 Kindern, zeigte sich bereits im Arbeitstraining gut motiviert. Für sie war klar, dass sie in Zukunft in einen technischen Beruf einsteigen möchte.

"Als unser langjähriger Geschäftspartner, die Firma HGI Elektrotechnik GmbH aus Leonding, neue MitarbeiterInnen suchte, konnten wir Geschäftsführer Markus Marhann für die Idee begeistern, zwei TrainingsmitarbeiterInnen eine Chance auf einen Arbeitsplatz und auf eine Qualifizierung im Betrieb zu geben", erzählt Alfred Fleichanderl, langjähriger Betriebsleiter von BUCHplus.

Karl S., Markus Mahann - Geschäftsführer HGI Elektronik GmbH und Pia R.
Karl S., Markus Mahann - Geschäftsführer HGI Elektronik GmbH und Pia R.

Lehre bei HGI Elektrotechnik

Im August startete Karl S. die Lehrausbildung zum Elektrotechniker, mit 52 Jahren will er noch einmal so richtig durchstarten. Auch Pia R. geht seit September in die Lehre und kommt ihrem Traumberuf "Elektrotechnikerin" somit ein Stück näher. Beide absolvieren die Lehrausbildung im Rahmen der AQUA-Stiftung und können somit weiterhin durch BeraterInnen von pro mente OÖ unterstützt werden. Von der Firmenleitung werden die beiden "Lehrlinge" sehr gelobt: "Sie sind hoch motiviert und wollen ihre Chance auch nutzen", so Geschäftsführer Markus Mahann. Auch Alfred Fleischanderl freut sich: "Dank der guten Zusammenarbeit mit den Geschäftspartnern entstehen immer wieder neue Chancen für unsere TrainingsmitarbeiterInnen."


Bericht 2 - 17.01.2017

pro mente Jugend - Hilfe für Jugendliche


Instabile Familien, großer schulischer und sozialer Druck, Mobbing in der Schule und am Arbeitsplatz... Wenn jungen Menschen alles zu viel wird und nicht rechtzeitig geholfen wird, kann ihre Psyche krank werden. Sie isolieren sich von Familie und Freunden und zeigen durch ihr auffälliges Verhalten, dass sie dringend Hilfe brauchen.
pro mente Jugend bietet für diese junge Mädchen und Burschen Angebote im Wohn-, Arbeits- und Freizeitbereich. Eines dieser Projekte ist die lunch.box in der Zentrale von pro mente OÖ am Lonstorferplatz, die den Jugendlichen die Chance bietet, sich psychisch zu stabilisieren und durch verschiedene Trainings arbeitsfähig zu werden.

Mag. Manuela Nemesch, Geschäftsfeldleiterin pro mente Jugend
Mag. Manuela Nemesch, Geschäftsfeldleiterin pro mente Jugend

Im Geschäftsfeld Jugend stehen wir täglich in dem Spannungsfeld, einerseits den jungen Menschen gute Unterstützungsmaßnahmen anzubieten und ihnen andererseits aber auch zu ermöglichen, die eigenen Kompetenzen

und Ressourcen (wieder) zu entdecken. Wir machen ihnen Mut, Fehler als notwendige Erfahrung für die Entdeckung neuer Strategien zu akzeptieren und auch kleine Veränderungen als Erfolge zu werten.

Im Sinne unseres Slogans „ein Stück des Weges gemeinsam gehen“ möchte pro mente Jugend die jungen Menschen vor allem dabei unterstützen, ihr Leben (wieder) in den Griff zu bekommen, um es selbstbestimmt und zufrieden meistern zu können.

pro mente Jugend ist über die Jahre zu einem anerkannten Kooperationspartner im sozialen Versorgungsnetz geworden: Aktuell freuen wir uns über ein neues Projekt - resp@ct - für junge Menschen im NEET-Status – (Not in Employment, Education or Training). Diese jungen Erwachsenen sollen durch niederschwellige Leistungen erreicht werden, um sie an den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt durch Beratung, Betreuung und neue Wege der Qualifizierung und Beschäftigung heranzuführen.

"Das Jahr in der lunch.box war die beste Chance, die ich je gehabt und genutzt habe ..."

Bild von der Landjugend

Es ist Montag, 12:00 Uhr. Die ersten MitarbeiterInnen sitzen bereits im freundlichen Speisesaal der lunch.box. 4 Tage die Woche sorgen die Trainingsanleiterinnen Theresa Grubauer und Melanie Mayrhofer hier gemeinsam mit 7 Jugendlichen für das leibliche Wohl der MitarbeiterInnen. Von Montag bis Donnerstag steht ein schmackhaftes Menü am Programm, das im Sommer durch leckere Salate und den einen oder anderen - von den MitarbeiterInnen heiß ersehnten - Grilltag ergänzt wird. Das hochwertige Fleisch stammt vom Bauernhof, und es wird Wert darauf gelegt, dass die Zutaten großteils biologisch sind.

Die Arbeitsabläufe in der lunch.box sind gut durchdacht. Jede Woche stehen andere Aufgabenbereiche für die Jugendlichen am Programm. So erwerben sie nach und nach Grundkenntnisse in den Bereichen Kochen, Service, Abwasch, Reinigung, Einkauf und Dekoration.
Vorrangig geht es aber auch darum, einen für das Arbeitsleben adäquaten Umgang in Konfliktsituationen zu erlernen, besser mit Ängsten und Unsicherheiten umzugehen und Grundkompetenzen wie Pünktlichkeit, Genauigkeit und Teamfähigkeit zu stärken.
 

Einer dieser Jugendlichen ist Daniel H. (Name geändert). Der 18-jährige hat ein Jahr lang in der lunch.box gearbeitet und Ende November 2016 seinen letzten "Arbeitstag" in der lunch.box.

 

"Ich habe Koch gelernt, aber die Lehre bald abgebrochen. Aufgrund von Schlafstörungen und einer postraumatischen Belastungsstörung war ich im ehemaligen Wagner-Jauregg-Krankenhaus in der Tagesklinik, bis man mir einen Schnuppertermin in der lunch.box anbot. Ich war nervös, so viele neue Leute und ein ganzes Jahr sollte das Training dort dauern ...

Ein paar Tage später konnte ich schon anfangen. Durch die Arbeitszeit von 9.00 bis 14.00 Uhr hatte ich wieder einen geregelten Tagesablauf und der tat mir sehr gut. Ich war abwechselnd in der Küche und im Service. Am Freitag gab es immer eine Wochenreflexion und wir besprachen gemeinsam, was war das Ziel in der vorangegangenen Woche, was lief gut, woran werde ich nächste Woche arbeiten und in welchem Bereich möchte ich sein.

 

Durch die lunch.box habe ich nach und nach mein Vertrauen zu den Leuten wieder gewonnen. Der Umgang mit den Gästen und vor allem die tollen BetreuerInnen haben mich darin bestärkt. Auch untereinander erzählte man sich, was los ist. Die anderen Jugendlichen haben auch ihre Geschichte. Niemand ist damit allein hier. Mir wurde zugehört und ich bekam Tipps, wie geh´ich mit anderen um, wie reagier´ich, wenn ich Konflikte mit anderen habe. Das war alles sehr hilfreich. Die Betreuerinnen waren mein Halt, sie sind einfach super!

Es ging bergauf mit mir, das Leben machte mir wieder Spaß. Ich freundete mich mit einigen anderen aus der lunch.box an, wir unternahmen etwas gemeinsam, gingen in die Stadt zusammen. Das war vor der lunch.box nicht so.

Ein weiterer toller Effekt war, dass ich durch die gesunde Ernährung auch abgenommen habe. Und es hat Spaß gemacht, darüber mehr zu erfahren.

 

Auch die Rückmeldungen von den Gästen waren positiv, ich traute mir wieder mehr zu. Wir arbeiteten laufend an uns, welche Skills (=Fähigkeiten) möchte ich verbessern. Ich schreibe mir meine Ziele nach wie vor auf und bleibe dran.

 

Das Beste hier war, dass du so angenommen wirst, wie du bist. Du kannst dich den BetreuerInnen anvertrauen, egal was ist. Und da sein, auch wenn es dir schlecht geht. Du wirst hier sozusagen "aufgepäppelt"! Mein Leben hat sich durch die lunch.box sehr zum Positiven verändert. Auch meine Eltern und mein Bruder sind sehr froh darüber, dass es mir wieder gut geht. So eine Chance, wie das Jahr in der lunch.box, bekommst du nicht oft. Und wenn, dann solltest du sie unbedingt nutzen!"

 

Sprach´s, und ist auf und davon. Jetzt absolviert Daniel ein freiwillig soziales Jahr im nahegelegenen Altersheim. Denn die Pflege interessiert ihn und er ist gern unter Menschen. Und: Das Altersheim ist nur 5 Gehminuten von der lunch.box entfernt. Ideal, um immer wieder mal bei den "alten" KollegInnen auf einen kurzen Tratsch vorbei zu schauen ...

Mag. Helmut Nehr, Abteilungsleiter Finanz- und Rechnungswesen
Mag. Helmut Nehr, Abteilungsleiter Finanz- und Rechnungswesen

 

 

 

Ich habe Daniel als hochmotivierten, höflichen und allseits hilfreichen jungen Mann erlebt. Wir haben miteinander Rechenübungen gemacht. Ich meine, dass er seinen Weg machen wird.


Bericht 1 - 10.01.2017

Wohnen im Wohnhaus Wachtbergerhof - Die Geschichte einer gelungenen Betreuung


Im Wohnhaus Wachtbergerhof, einem liebevoll adaptieren Vierkanthof, werden seit 2004 psychiatrische PatientInnen mit geistiger Behinderung und psychosozialen Störungen, insbesonders schwerwiegenden Verhaltensproblemen, betreut. In zwei Wohngruppen leben jeweils 7 Frauen und 7 Männer und werden rund-um-die-Uhr individuell betreut und gefördert. Der Alltag am Hof soll so selbstständig wie möglich bewältigt und die BewohnerInnen bestmöglich in ihr soziales Umfeld integriert werden. Ein sinnstiftendes und tagesstrukturierendes Beschäftigungsangebot bietet Aktivitäten im kreativen und handwerklichen Bereich. So können die BewohnerInnen Töpfern, Filzen, Korbe flechten und sorgen für die Herstellung von Marmeladen, Kräutertees und Filzwaren.

 

Roland Hihn, Teamleiter im Wachtbergerhof, hat uns die Geschichte einer nicht alltäglichen und besonders herausfordernden, aber gelungenen Betreuung erzählt.

 

Georg P., ein 32-jähriger Mann, kommt aufgrund schwerwiegender Verhaltensaufälligkeiten in den Wachtbergerhof. Er spricht seit Jahren nicht mehr. Die Kommunikation erfolgt mittels Hand und Fuss oder durch Kritzeleien auf einen Zettel. In der Eingewöhnungsphase zeigte sich sehr bald, dass ein geregelter Tagesablauf für Georg schwierig ist. Er ist es seit Jahren nicht mehr gewohnt, Hausarbeit zu erledigen oder sich kreativ und handwerklich zu beschäftigen.

 

"Die Betreuung von Georg wird so organisiert und individuell gestaltet, dass Georg die bestmögliche Unterstützung erfährt. Eine Ergotherapeutin arbeitet intensiv mit ihm. Diese ungewohnte intensive Auseinandersetzung ist für Georg eine große Herausforderung. Problematische Verhaltensweisen verstärken sich. Doch wir geben ihm zu verstehen, dass wir es wirklich ernst mit ihm, seiner Betreuung und vor allem seinem Leben meinen. Das verstärkt in Georg Fluchttendenzen, er nimmt öfter Reißaus und marschiert zu seinem Vater, der in der Nähe wohnt. Aber auch hier bleiben wir präsent. Wir holten ihn immer wieder ab und machten ihm klar, dass er nicht mehr bei seinen Eltern wohnen kann."

 

Seine Niedergeschlagenheit wächst und verstärkt weitere Verhaltensauffälligkeiten. Doch eines Tages kommt es zu einer überraschenden Wendung: Georg baut eine sehr gute Beziehung zu zwei Mitarbeiterinnen der Tagesstruktur auf. Und eines Nachmittags passiert etwas völlig Unerwartetes: Georg spricht nach 8 Jahren zum ersten Mal wieder mit seiner Ergotherapeutin. Sind es anfangs nur wenige Worte, teilt er sich ab diesem Zeitpunkt immer mehr mit. Die Freude aller ist groß und die Stimmung sehr posititiv.

 

"Nach so vielen Jahren hätten wir das nicht für möglich gehalten. Jetzt hat Georg seinen Platz am Wachtbergerhof gefunden und lebt aktiv am Hof mit", freut sich Roland Hihn, Teamleiter am Wachtbergerhof.