alkoholabhängigkeit? was kann ich tun?

Mit einem Menschen, der alkoholabhängig ist zusammenzuleben, ist eine schwere Belastung. Denn die Nähe zum Betroffenen und die Unberechenbarkeit der Krankheit verschlingen einen Großteil der seelischen Energie. Familienangehörige passen sich mit den Jahren an die häufige Alkoholisierung des Erkrankten an. Doch Frequenz und Schwere der Trunkenheit bleiben nicht gleich, sondern nehmen zu.

 

Konflikte ohne Ergebnis, grobes Verhalten und Gefährdung der materiellen Existenz. Die Auswirkungen der Alkoholisierungen auf das alltägliche Leben sind gravierend. Die Vergröberung des Verhaltens, mehr Konflikte und viele Auseinandersetzungen, die ohne Ergebnis bleiben, sind die Folgen. Die immer häufiger werdenden Räusche durchkreuzen alle geplanten gemeinsamen Aktivitäten. Das für Alkohol aufgebrauchte Geld gefährdet zunehmend die materielle Existenz der Familie. Alkoholisierte Menschen missachten die Grenzen eines liebevollen Umgangs, die Stimmung während der Trunkenheit schlägt plötzlich um und das Verhalten des Betroffenen wird unberechenbar.

 

Angehörige leiden an Scham und Isolation. Das enge Zusammenleben führt zum Verlieren des Maßes, welche Alkoholisierung noch tolerabel ist. Häufig werden von den Angehörigen Gefahren, etwa durch „Alkohol am Steuer“, unterschätzt und damit hohe Risken eingegangen. Angehörige schämen sich und beginnen sich zu isolieren, weil sie das Gefühl haben, Mitverursacher der Abhängigkeit zu sein.

 

Versuchen Sie nicht zu lang, den Alkoholkonsum des Erkrankten zu begrenzen. Ob liebevoll oder streng, dies führt praktisch nie zum gewünschten Ergebnis, da die Abhängigkeit nur durch das Erreichen einer Abstinenz gestoppt werden kann. Lassen Sie sich nicht durch Versprechungen und Besprechungen weiter hinhalten, sondern drängen Sie auf eine fachgerechte Behandlung der Abhängigkeit. Hoffen Sie nicht, dass „alles von selbst besser wird“. Diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen.

 

Was Sie zur Sicherheit Ihrer Familie unbedingt beachten sollten. Alkoholisierte Menschen haben eine geringere Schwelle, seelische und körperliche Gewalt anzuwenden. Schützen Sie daher in erster Linie Kinder und alte Menschen, wenn eine Situation eskaliert. Wenn Sie Alkohol im Atem riechen, so hat dieser Mensch auf jeden Fall zwischen 0,8 und 1,2 Promille im Blut. Diese Person ist gewiss fahruntauglich und darf keinesfalls ans Steuer!

 

Wie erkenne ich eine Alkoholabhängigkeit? Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Angehöriger zu viel und zu regelmäßig trinkt, verschaffen Sie sich Klarheit durch professionelle Beratung. Beachten Sie, dass vor allem Sie als Angehöriger jetzt persönliche Unterstützung brauchen! Beachten Sie auch, dass einem von Alkohol abhängigen Familienmitglied nur durch professionelle Hilfe geholfen werden kann, nicht jedoch durch innerfamiliäre Intervention! Jedenfalls von Alkohol abhängig ist ein Mensch, der trotz finanzieller, gesundheitlicher, sozialer oder beruflicher Probleme trinkt.

 

Alkoholabhängigkeit ist behandelbar. Die Bedingung dazu ist eine konsequente, auf Behandlung und Abstinenz zielende Haltung der Umgebung.

 

Vier Fragen zum Erkennen einer eigenen Abhängigkeit (Sind zwei Fragen mit „Ja“ zu beantworten, können Sie davon ausgehen, dass eine Abhängigkeit besteht):

  • Haben Sie sich schon manchmal gedacht, Sie sollten Ihr Trinken reduzieren?
  • Werden Sie wütend oder gereizt, wenn Sie jemand auf Ihr Alkoholtrinken anspricht?
  • Fühlen Sie sich schuldig oder als Versager, wenn Sie daran denken, wie oft Sie mit Alkohol übermäßig umgehen?
  • Ist es Ihnen schon passiert, dass Sie am Morgen nach einem Trinkereignis Alkoholisches getrunken haben und sich anschließend besonders gut und aufgeweckt gefühlt haben?