Essstörungen - was nun?

Bereits während der Schulzeit beschäftigen sich viele Mädchen und zunehmend auch viele Buben mit dem eigenen Körperbild und probieren verschiedene Diäten oder Crashkuren aus. Die Angst vor Gewichtszunahme, oft verstärkt durch Fernsehen, Internet und Modejournale, begünstigt ein verzerrtes Körperideal und Fehlernährung. Doch ab wann ist dieses Verhalten krankhaft?

 

Betroffene erleben sich als „zu fett“. Wir unterscheiden heute zwei Hauptformen von Essstörungen: Die Magersucht (Anorexia nervosa) ist definiert durch massives Untergewicht, gleichzeitig nehmen sich die Betroffenen als „zu fett“ wahr. Der Gewichtsverlust ist selbst herbeigeführt, etwa durch das Vermeiden von „dick machenden“ Speisen, übertriebene körperliche Aktivität oder Einnahme von Medikamenten wie Appetitzüglern oder Entwässerungstabletten. In der Folge entsteht eine Hormonstörung, die zum Ausbleiben der Menstruation oder zu Potenzverlust führt.

Die Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) wiederum ist gekennzeichnet durch häufige Fressattacken, andauernde Beschäftigung mit dem Essen und einem unwiderstehlichen Drang zu essen. Gleichzeitig wird versucht, der Gewichtszunahme durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel, Hungern, Appetitzügler oder Entwässerungstabletten entgegenzusteuern. Wie bei der Anorexie erleben sich die Betroffenen als „zu fett“ und mit einer sich aufdrängenden Furcht, zu dick zu werden.

 

Wodurch entstehen Essstörungen? Essstörungen können Lösungsversuche für tiefer liegende seelische Probleme sein, ein Ausweg, eine Fluchtmöglichkeit oder ein Ersatz für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse, eine Art stummer Protest oder Verweigerung. Die Möglichkeit, über Essen oder über Hungern Befriedigung zu erlangen, führt zu einer kurzfristigen Erleichterung und zu einem Erleben von Sicherheit und Kontrolle. Da es sich jedoch nur um einen kurzzeitigen Effekt handelt, benötigen die Betroffenen Wiederholungen. Dadurch entwickelt die Essstörung eine Eigendynamik und gerät außer Kontrolle, sie wird zur „Sucht“. Es entsteht ein Gefühl des „hilflos-ausgeliefert-Seins“.

 

Menschen mit Essstörungen brauchen meist eine umfassende medizinische, therapeutische und psychosoziale Behandlung. Eine zusätzliche Betreuung der Angehörigen ist ratsam. Jegliche therapeutische Hilfe bedarf jedoch der Freiwilligkeit der Betroffenen. Ohne Krankheitseinsicht und den eigenen Wunsch, etwas zu verändern, ist eine Behandlung nicht erfolgreich. Wichtig für erfolgreiche Behandlung sind die Bearbeitung von Konflikten oder Traumatisierungen mittels Psychotherapie, sowie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und der verzerrten Körperwahrnehmung durch Sport- und Bewegungstherapie. Ein wichtiges Therapieziel ist ein gesundes Ernährungsverhalten, das heißt, wieder zu lernen, richtig für sich zu sorgen, richtig zu kochen und zu essen, wieder Hunger und Sättigung empfinden zu können sowie Ernährung als etwas Natürliches und Angenehmes zu erleben.

 

Rat und Hilfe bei Essstörungen:

  • Der Weg zur Gesundheit verläuft über Entscheidungen. Am Beginn steht oft die Entscheidung, weiterleben zu wollen und nicht zu sterben.
  • Später ist es auch die Entscheidung, belastende Lebensereignisse zu meistern und nicht zu flüchten, Vergangenes abzuschließen, sich für Neues in der Zukunft zu öffnen und sein Leben wieder selbständig in die Hand zu nehmen.
  • Falls eine ambulante Behandlung zu keiner Stabilisierung führt, besteht die Möglichkeit zu einer psychosomatischen Therapie im Krankenhaus.