Suizidgefahr: Ihr Wissen kann Leben retten!

In Österreich sterben jährlich 1.400 Menschen durch Selbsttötung. Das sind doppelt so viele Tote als im Straßenverkehr. In Oberösterreich nahmen sich im Vorjahr 180 Männer und 48 Frauen das Leben. Mehr Suizidversuche unternehmen Frauen, vor allem jüngere. Schwere Verletzungen und bleibende Behinderungen sind die Folgen. Doch viele könnten davor bewahrt werden, vorausgesetzt, die Suizidgefahr wird rechtzeitig erkannt.

 

Tödliche Klischees. „Wer von Selbsttötung spricht, tut es nicht“. Diese Annahme ist falsch. Denn 8 von 10 Menschen, die einen Suizid begehen, kündigen das vorher an und senden damit einen Hilferuf aus. Es ist auch ein Irrtum zu glauben, „wer sich wirklich umbringen will, ist nicht aufzuhalten.“ Die meisten Suizide passieren in einer Krise. Kann diese bewältigt werden, ist auch die Suizidgefahr gebannt. Dafür ist aber rechtzeitige Hilfe notwendig.

 

Wer ist besonders gefährdet? Vor allem jemand, der an einer Depression leidet. Aber auch Personen mit einer Suchterkrankung, etwa mit Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit, tragen ein erhöhtes Risiko, an einem Suizid zu sterben. Eine Trennung oder Konflikte mit dem Partner, der Verlust des Arbeitsplatzes, Schicksalsschläge und traumatische Ereignisse können zu seelischen Krisen führen, in denen Menschen Gefahr laufen, sich selbst zu töten. Auch alte und einsame Menschen gelten als Risikogruppe.

 

Wie erkenne ich eine Suizidgefahr? Am Befinden und an den Aussagen eines Mitmenschen. Wenn jemand über Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit klagt, sich hilflos, ohnmächtig und verzweifelt fühlt, sich nicht mehr freuen kann oder etwa von Schuldgefühlen gequält wird, sind das Hinweise auf eine Gefährdung, die unbedingt ernst zu nehmen sind. Das gilt auch für Aussagen wie: „Ich falle jedem zur Last!“ oder „Ich mache das nicht mehr mit!“ und „Mein ganzes Leben ist sinnlos geworden.“

 

Wie kann ich frühzeitig helfen? „Ich habe das Gefühl, du willst dir was antun.“ Sagen Sie es offen, wenn Sie das Gefühl haben, ein Mitmensch sei in Gefahr, sich selbst zu töten. Tun Sie das ruhig, sachlich und direkt. Keine Angst, Sie können damit keinen Suizid auslösen. Ganz im Gegenteil: Es ist für den gefährdeten Menschen immer entlastend, mit jemandem über die quälenden Suizidgedanken reden zu können.

 

Sorgen Sie dann dafür, dass der Betroffene professionelle Hilfe erhält. Das kann durch den Hausarzt oder eine Fachärztin für Psychiatrie sein, einen Psychotherapeuten, die Klinik oder eine professionelle Beratungsstelle. Und scheuen Sie sich nicht, in einer akuten Krise Verantwortung zu übernehmen und den Gefährdeten zum Arzt oder in die psychiatrische Notfallambulanz zu begleiten. Oder Sie rufen den Notruf unter 0732 / 21 77. Hier erhalten Sie Rat und Hilfe für die Seele rund um die Uhr.

 

Erste Anzeichen für eine Suizidgefahr:

Gefährdete Menschen erleben:

  • Gefühle der Niedergeschlagenheit
  • der Resignation, der Hilf- und Hoffnungslosigkeit
  • sehen keinen Sinn im Leben, fühlen Ohnmacht und Verzweiflung
  • können sich nicht mehr freuen und zeigen vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle und Selbstvorwürfe

Gefährdete Menschen sagen:

  • „Ich falle jedem zur Last!“
  • „Ich mache das nicht mehr mit!“
  • „Ich möchte, dass alles aufhört!“
  • „Ich schaffe das nicht mehr!“