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Eindrücke vom Krisentalk 2026

Großes Interesse an Suizidprävention in akuten Ausnahmesituationen

Der Gemeinderatssaal im Alten Rathauses Linz, Schauplatz des Krisentalks 2026 der Krisenhilfe OÖ, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Mehr als 250 Gäste setzten sich im Zuge von drei Fachvorträgen und einer Talkrunde mit der zentralen Frage auseinander, wie Unterstützung gelingt, wenn Menschen in extremen Belastungssituationen keinen Ausweg mehr sehen. Der Krisentalk 2026 versammelte unter dem Titel „In der Krise Halt geben: Suizidprävention in akuten Ausnahmesituationen“ unterschiedliche Perspektiven zum Thema und verwob wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrung aus der Krisenarbeit – mit dem Ziel, Helfende zu stärken, um in kritischen Momenten Leben zu schützen. 

Nach der Begrüßung von Krisenhilfe-Leiterin Katja Sieper eröffnete Soziallandesrat Christian Dörfel die von Claudia Em (ORF OÖ) moderierte Veranstaltung und betonte im Rahmen seiner Grußworte: „Die Krisenhilfe OÖ bildet einen zentralen Knotenpunkt im sozialen Netz Oberösterreichs, um Menschen in den kritischsten Situationen rasch und professionell zu unterstützen. Damit leistet die Krisenhilfe OÖ nicht nur psychische Erste Hilfe, sondern zugleich auch einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität des gesamten Versorgungssystems.“

Katja Sieper unterstrich, dass der Fokus auf das, was Halt geben kann, gerade in einer Zeit der globalen Krisen besonders wichtig ist. 

Ein Tabuthema als Schlüsselaufgabe der Krisenhilfe OÖ im Fokus  

Suizidprävention ist seit der Gründung ein Kernauftrag der Krisenhilfe OÖ – und zwar auf mehreren Ebenen: unmittelbare Unterstützung in suizidalen Krisen, Sensibilisierung, Entstigmatisierung und Präventionsarbeit, Schulung von Personen in Schlüsselpositionen, wie etwa Einsatz- oder Lehrkräfte sowie die Förderung von enger Vernetzung im Hilfssystem. Aus diesem Grund setzt auch der Krisentalk 2026 diesen inhaltlichen Schwerpunkt. Seit 2018 bietet diese Veranstaltung eine Plattform für fachlichen Austausch zu akuten Krisen. 

„Die Entwicklung des Krisentalks zeigt, wie groß das Interesse ist: Was 2018 in einem kleinen Rahmen mit rund 40 Gästen begonnen hat, hat sich zu einem etablierten fachlichen Fixpunkt mit mehr als 250 Besucher*innen entwickelt.“

Suizidprävention im virtuellen Raum

Im Rahmen seines Vortrags „Onlineberatung in der Krisenintervention“ beschäftigte sich der Psychologe und Psychotherapeut Martin Schmid, Mitarbeiter der Krisenhilfe OÖ, mit der Entwicklung digitaler Beratungsangebote, die in den letzten 30 Jahren zu eigenständigen Formaten avancierten und nicht mehr nur „Einstiegshilfen“ darstellen. 

„Für viele (junge) Menschen in akuten Belastungssituationen ist die niederschwellige, anonyme Kontaktaufnahme oft der entscheidende erste Schritt – und manchmal auch der einzige, der in diesem Moment möglich ist. Beratung im virtuellen Raum eröffnet neue Zugänge, stellt aber gleichzeitig andere Anforderungen: Suizidalität muss auch ohne direkten persönlichen Kontakt richtig eingeschätzt und begleitet werden. Das erfordert ein hohes Maß an Sensibilität, Erfahrung und klare methodische Standards.

Früherkennung und Handlungssicherheit in suizidalen Krisen

Elisabeth Hack, Teamleiterin der Krisenhilfe OÖ, spannt in ihrem Vortrag „Suizidales Erleben und Verhalten – psychodynamische Aspekte, Beziehung und professionelle Haltung“ einen Bogen von den ersten Warnsignalen bei Suizidgefährdung hin zu typischen Dynamiken und konkreten Handlungsmöglichkeiten in der Krisenintervention. 

„Suizidales Erleben und Verhalten ist immer auch ein Appell an menschliche Bindung. Gerade deshalb wird das Beziehungsangebot zu einem zentralen Schutzfaktor, zu einem Träger von Hoffnung – und zu einem Raum, in dem Veränderung möglich wird.“

In Extremmomenten situationsgerecht agieren 

Der Sozialarbeiter Ingo Vogl verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der psychosozialen Notfallversorgung beim Roten Kreuz und beleuchtet in seinem Vortrag „Suizidalität in der akuten Krisenintervention“ die besonderen Herausforderungen im Umgang mit Suizidalität bei unmittelbaren Belastungen, die Kommunikation in Ausnahmesituationen und die Rolle der psychosozialen Notfallhilfe als Brücke zu weiterführender Versorgung.

„Wenn der Auslöser für Suizidgedanken ein akutes, potenziell traumatisierendes Krisenereignis ist und wir es Betroffene in dieser Situation professionell begleiten, können wir das Überleben von belasteten Personen sehr gut sichern. Dabei ist es wichtig, dem eigenen Gefühl hinsichtlich Anzeichen von Suizidgefährdung zu vertrauen, aktiv nachzufragen, die Biografie und das soziale Umfeld von Betroffenen einzubeziehen und Nachsorge sicherzustellen.“

Eine Talkrunde mit den Vortragenden, Krisenhilfe-Mitarbeiterin Melissa Schmitzberger und Alfred Adelsmair, Leiter des Krisenzimmers von Exit Sozial, entfachte spannende Diskussionen, vertiefte wesentliche Aspekte des Themas und bot dem Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. 

Der Krisentalk 2026 eröffnete einmal mehr Raum für interdisziplinären Austausch, machte deutlich, wie komplex und vielschichtig suizidale Krisen sind und wie lebensnotwendig es ist, Betroffene frühzeitig, zielgerichtet und verlässlich zu begleiten. Dass diese Form der Unterstützung in Oberösterreich flächendeckend und rund um die Uhr zur Verfügung steht, ist Ausdruck einer klaren sozialpolitischen Haltung.